Schauspiel. (Lessing.)
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Hensel aber war 1764 zum zweitenmal nach Wien gekommen und vonder Geschmacklosigkeit vertrieben worden; erst 1776 gelang esderSarro,leise mit einem natürlichen Spiele zn versöhnen. Dem Rufe Schröver'öwagte man nicht zn widersprechen, aber man sah doch immer einenBergopzoomer mit eben so vielem Bcifalle, der die großen Uebcrtrei-bungen des I7.Jahrhs. noch fcstgehalten haben muß. Man milderte dieCensnr, aber man gab kein größeres Schauspiel unverhunzt, man verbotdie unschuldigsten Bücher aus den albernsten Gründen, man untersagte1777 den cutalognm liliioiuim pi-oliilntoimm selbst, damit Niemand diegefährlichen Werke sollte kennen lernen! Was die Schanspieldichtnngbetrifft, so standen seit der Bühnenreform die Dramatiker wie Pilze ansder Erde ans, unter Adel und Volk. Sonnenfcls hatte das Verdienst,die Bahn gebrochen zu haben, ein wohlgesinnter guter Mensch, aberdurchaus dürftig und arm, wie sehr er sich vor seinen Gefährten anS-hebt; neben ihm stand der Herr von Gebier dessen Stücke sich überganz Deutschland verbreiteten und mit Beifall gegeben wurden, und ihmam ähnlichsten der Geh. Rath Joh. L. Schlosser^"). Gebier machtedamals allen Literaten in Deutschland den Hof, und brauchte alle Mittelseiner Stellung, und in seinen Stücken alle Fügsamkeit bald in den an-tiken Geschmack, bald in den diderotischen im bürgerlichen Trauerspiel,und immer in die moralische Delikatesse jener Zeiten, um seine Schreibe-reien zn empfehlen, deren er von 1770 — 73 alle Jahre drei bis vierStücke lieferte. Eine ganze Reihe wiener Adeliger folgte seinem Bei-spiele. Die Herren v. Gugler, v. Otteruwolf, v. Pauersbach, v. Pu-sendorf, v. Brahm, v. Sternschüh, Alles schrieb Schauspiele aller Artund entfaltete eine Fruchtbarkeit, die des ganzen Deutschlands spottete.Herr von Ayrcnhoff^) betrieb cs am systematischsten (schon seit 1766,wo er zuerst mit seinem AureliuS austrat), den Raeine'schen Geschmackherzustellen. Ihm war Shakespeare ein Ungeheuer, Götz von Bcrli-chiugen ein Greuel; er schien es für ein Leichtes zn nehmen, den Kampfgegen die neuen Genialitäten aus Shakcspeare's Schule mit den altenverrosteten Waffen der Corneille und Raeine zu führen, und er suchteWieland noch spät in der Widmung seines Antonius für sich zu gewin-nen. Diese adelige Literatur, wie werthlos sie an und für sich war, ward
lüg) Theatralische Werke. 1772.
I7V) Er gab unter demselben Titel wie Gebier in demselben Jahre seine Schau-spiele heraus.
171) Werke. 1789. 4 Thle.
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