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4 (1853)
Entstehung
Seite
340
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340 Wicdergcb. d. Dicht, unt. v. Einflüssen d. Moral, u. d« Kritik.

streiche in Voltaire's Art angebracht sind. So ist auch in dem vonGötter vollendeten Fragment Olynt und Sophronia nach Tasso daschristliche Heldenthum ans jene lächerliche und unnatürliche Höhe getrie-ben, wie es nur den Franzosen möglich ist auf der Bühne zu dulden,und Lessing hat in der Dramaturgie vortreffliche Sätze über das Mär-tyrerthum und die Wunder auf der Bühne an dieses Stück geknüpft.Wie ungemein der französische Geschmack im Trauerspiele bei uns ein-genistet war und fast unvertilgbar haftete, lehrt Cronegk vortrefflich, derin seinen übrigen Gedichten, Satiren, Einsamkeiten u. s. w. mitKlopstock, mitHoung, mit Günther, mit allem Möglichen mehr Sym-pathie zeigt, als mit dem Kothurn der französischen Bühne. SeinerSelbstbeurtheilung des Kodrus nach sollte man glauben, daß auch ersich mit der Zeit von diesem Geschmack losgemacht haben würde, alleindas Unglück wollte, daß auch Er starb, ehe er seine Krönung erlebte, ineinem Alter von 27 Jahren. Sonderbar, welch ein Schicksal unserejunge Literatur damals verfolgte. Es ist Herder'n bei Gelegenheit vonAbbt's, Heilmann's und Baumgarten's, Lessing bei Mylius'' Tode aus-gefallen, welch ein neidisches Geschick über unfern jungen Talenten zuherrschen schien; Michaelis ahnte bei dem frühen Tode Cronegk'S seineigenes Schicksal. In der That ist die Zahl der früh verblühenden Lite-raten in jenen ersten Zeiten unserer ausblühenden Dichtung ungemeingroß; wir haben schon Gelegenheit gehabt, die Pyra, Rudnick, Jähns,Hartmann, Meinhard, Michaelis, Abbt u. A. zu nennen, zu denenspäter die Hölty, Unzer, Lenz, Lerse, Fr. Hahn, Hensler u. A. hinzu-kommen.' Nirgends aber sind die Fälle auffallender und tragischer alsbei unseren tragischen Dichtern: Schlegel, Cronegk, Brawe, Krüger,Mylius, Uhlich, Schiebeler, Wagner starben so hin, ehe sie ihres Ta-lents, ihres Lebens, oder Ruhms froh wurden. Lessing klagte das Landdarum an, das seine Genien verließ, sie mit Neid und unwürdigen Ge-schäften drückte; die Natur freue sich, in dem uiedern Stande große Gei-ster am liebsten hervorznbringen; Aufmunterung und Unterstützung seibei uns ganz unbekannt, unter Schwierigkeiten jeder Art opfere die Ju-gend ihre Kräfte auf und erliege dann bei dem ersten Sturme. Unstreitighatte er Recht, bei Mylius, Krüger und Uhlig diese Betrachtung anzu-stellen; bei den anderen würde er eine andere Quelle haben suchenmüssen. Schlegel hat unstreitig seine geistigen Kräfte überboten, auchbei Cronegk mag dies der Fall sein. Im Allgemeinen aber hatte die

165) Cronegk'S Schriften. S Theile. 1776.