Schauspiel. (Lcssing.)
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zugleich die tragischen Stoffe, die in den 70cr Jahren vorzugsweise be-handelt wurden. Wenn sich diese Wirkungen erst entfernter zeigen, somuß man bedenken, daß die näher liegenden Nachahmungen von Pfeil,Lieberkühn, Martini (Lucie Woodwill, Rhynsolt, die Lissaboner) u. A-vergessen sind, und, was die Hauptsache ist, daß das Stück in die un-glückliche Zeit fiel, wo der bisherige Mittelpunkt der Bühne, Leipzig,gerade gesprengt ward, wo der Krieg die Schauspiclertruppen zerstreuteund den Geschmack und die Aufmerksamkeit zertheilte. Dieser letztereUmstand ward noch dadurch erhöht, daß in diesen Zeiten gerade auchdie geistlichen Stücke von Bodmer, Hudcmann uuv Klopstock und dieWielandischen erschienen.
Dieses Stück hatte Lesfing in Potsdam geschrieben; die Bekannt-schaft mit Moses und Nieolai machte ihn vertrauensvoller und kühner inseinen theatralischen Reformen. Nieolai in seinen Briefen über die schö-nen Wissenschaften unterstützte ihn durch seine Empfehlung der britischenSchauspiele; in der theatralischen Bibliothek (3. und -4. Stück) wiesLcssing auf den Reichthum der englischen Literatur in diesem Gebietehin. Lessing kam l755 wieder nach Leipzig, und es trafen nachherKleist und Brawe zu ihm, der als ein eifriger Crusianer viel von ihmleiden mußte. l757 ward die Bibliothek der schönen Wissenschaften vonNieolai eröffnet; sie setzte einen Preis aus für das beste Trauerspiel; dadie Bühne in Leipzig nicht mehr blühte, schien eine theatralische Aka-demie entschädigen zu sollen. Zwei neue Talente traten hervor. Joh.W. von Brawe schickte den Freigeist ein, der 1708 mit seinem Brutusgedruckt wurde. Der juuge Manu fiel in diesem letzten Stücke auf dieJamben, noch ehe Joh. H. Schlegel, ein Bruder des Elias, Thomson'öStücke in diesem Maße übersetzte; er neigte augenscheinlich zu den Eng-ländern herüber, allein er starb in demselben Jahre, als er seinen Frei-geist einlieferte, im 20. Jahre. Den Preis hatte der Kodrus von I. Fr.von Cronegk saus Anspach 1731 — 58) erhalten, obgleich Lcssing sowenig damit zufrieden war, daß er selbst diesen Stoff behandeln wollte.Und was Wunder! Der Dichter hatte sich, im Eifer den gestorbenenSchlegel zu ersetzen, von seinem geliebten Lehrer Gellert und von demganzen Kreise der Bremer Beiträger so getrieben wie Schlegel vorher,mit zerstreuter Lektüre schon verdorben, und obgleich er das spanische,italienische und englische Theater kannte, sich in Paris selbst im franzö-sischen Stile festgefahren, so daß nun hier Kodrus als ein zärtlicher Heldauftritt, ein zweiter Roman als Episode eingeschaltet ist, die die Haupt-handlung überwiegt, und gehäufte Zufälle, rührende Lagen und Opern-
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