Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
336
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336 Wiedcrgeb. d. Dichr. uut. d. Einflüssen d. Moral, u. d. Kritik.

Schäfer wieder von Uhlig nachgeahmt ward. Pfeffel und Geßner setztendiesen Geschmack etwas veredelt noch in den 60er Jahren fort. Es wardieß eine Art Ersatz für die Oper. Wie die Oper anfangs aus dem- Schäferspiel hervorgegangen war, so versteckte sie sich jetzt wieder da-hinter. Die Frau Neuber unterstützte diesen Geschmack sehr, weil sichhier Flitter und Putz, Glanz und Wunder anbringen ließen. Sie selbstschrieb solche Stücke, und empfahl sie Mylius, der auf ihr Anrathen dieSchäferinsel schrieb, die Lessing ein pseudopastoralischmusikalisches Lust-und Wuuderspiel nennt. Es war überhaupt ein Jammer, der unsereganze Schauspielgeschichte von Anfang bis zu Ende begleitete, und derdie Lebenskraft unserer dramatischen Dichtung untergrub und heimlichzerstörte, daß immer die Schauspieler selbst Dichter, uud nicht selten ton-angebende Dichter blieben. Die ausübende Gewalt maßte sich der Ge-setzgebung an, und als die dramatischen Genialitäten der 70er Jahreerschienen, hatten diese selbst für Gesetz und Ordnung keinen Sinn. Sodichtete damals schon die Neuber; in Schönemann's Truppe seit 1743Jvh. Ehr. Krüger^) (17L250), der sein theologisches Studium ausArmuth aufgab und Schauspieler ward. Schon auf der Schule hatte erseine Geistlichen auf dem Lande geschrieben, eine aus persönlicher Rach-sucht übertriebene Satire auf diesen Stand, die Mhlius in den Aerztenaus Spekulation nachahmte. Man verargte es Beiden, und so auchGottlieb Fuchs, daß sie das Theater zu persönlichen Satiren mißbrauch-ten; sie blieben in sich zerrissen, kämpften mit Armuth und schrieben oderübersetzten aus Noth"^). Bei Schönemann war auch Martini, einesBuchhändlers Sohn auö Leipzig, der gleichfalls sich an Lustspielen ver-suchte. Aus der Neuberischen Schule ging Adam Gottfried Uhlig her-vor, der aus gleichen Gründen wie Krüger den Studien entsagen mußte,das Spiel versuchte und erbärmliche Schäferstücke und Lustspiele schrieb,von denen er schon 1746 zwei Bände Herausgeber: konnte. Er starb

163) Poet, und theatral. Schriften hrSg. v. Löwen. 1763.

164) Mit diesem Joh. Christin» Krüger aus Berlin (s. Danzel's Gottsched p. 166)ist bisher, von mir und Anderen, der Trauerspieldichter Benjamin Ephraim Krügeraus Danzig in eine Person verschmolzen worden. Von dem Letzteren sind die Allcman-nischen Brüder, die er seiner Landsmännin Gottsched widmete, und auf die Kästner'SEpigramm zielt:

Das Lustspiel, das zum Weinen bringt,rühmt Geliert nur, weil er das Loos geschrieben;so weit hat Krüger nicht sein eigen Lob getrieben:preist er das Trauerspiel, das uns zum Lachen zwingt?