Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
335
Einzelbild herunterladen
 

Schauspiel. (Lessing.)

335

so weit, als alle diese übrigen wieder über den ganzen Praß deutscherKomödien sonst. Und was sagt er selbst von diesen übrigen StückenSchlegel's! In seinem Müssiggänger herrsche das kälteste langweiligsteAlltagsgewäsche, das nur in dem Haus eines meißnischen Pelzhändlers'»vorfallen könne! Und in der That treten wir in Schlegel's ebenso wiein Gellert's Lustspielen nur sehr wenig ans dem elenden Tone heraus,der in den Lustspielen Pirander's und des Gottsched'schen Ehepaaresherrscht. Hatte sich ja Lcssing sogar über die Stücke der Frau Gottschedzu beschweren, es sei ihm unbegreiflich, wie eine Dame so niedriges, plat-tes, selbst schmutziges Zeug hätte schreiben können, z. B. in der Haus-französin. Die gellert'schen Stücke sind zwar sauber und anständig, aberdann auch so von aller komischen Würze entblößt, wie man von demManne erwarten darf, dem der Vorwurf schön und lieb war, daß seineBetschwester, sein Lotterieloos und seine zärtlichen Schwestern eher mit-leidige Thränen als freudiges Gelächter erregten. Was durfte man auchwagen in einer Zeit, da man Gellert's Betschwester verdammte und inseinen zärtlichen Schwestern ein PaSquill suchte! So mußte ja auchSchlegel seine Pracht zu Landheim unterdrücken, weil man sie für per-sönliche Satire gehalten hätte; so wurden Krüger's Landgeistliche con-fiscirt und blieben bei Herausgabe seiner Schriften weg, und es mußtenschon Leute wie Mylius und Rost sein, die dergleichen pikantere undunmittelbar bezügliche Stoffe wählen sollten, oder Lessing und die Lite-raturbriefe, die unsere Komöden zu Holberg in die Schule zu schickensich getrauten, über den sich die meisten unstreitig weit erhaben fühlten.Wer noch am meisten unter allen Komödiendichtern der leipziger Schulesich hervorhob, war K. Franz RomanuS (aus Leipzig 174187), dessenJntriguenspiele Lessing auszeichnete, obgleich auch bei ihm das Ent-lehnte die Hauptsache blieb. Seine beliebte Farce Krispin als Vater ^)entfernte sich im Grunde nicht weit von den bisherigen Zuständen; undin seinen Brüdern wies ihm Lessing weitläufig nach, wie er das guteStück des Terenz schlecht gemacht habe.

Noch ein anderer Zweig, außer dem Trauer - und Lustspiele, gingvon Gottsched aus, um der alten Theorie, zufolge welcher alle dreiStände auf der Bühne ihr besonderes Abbild haben sollten, zu genügen;das Schäferspiel. Roft's versteckter Hammel, Gärtner's geprüfte Treue,Gellert's Sylvia und das Band, das er selbst kassirte, fanden damals soviel Beifall, daß sie Gleim zum Schäferspiel entzückten, dessen blöder

1KL) In seinen Komödien, 17SI.