Schauspiel. (Lessing.)
331
travestirte Nachbildungen der französischen Originale, in denen allesWunderbare getilgt war, bis ans die Charaktere? Lanier ungemeineHelden, unmenschliche Tyrannen und Bösewichter verlangte und lieferteer in seinen Trauerspielen; die tragische Schreibart, schreibt er vor, solleimmer ans Stelzen, die komische baarfusi gehen, und genau so ist'S inseinen Tragödien, und in seinen und seiner Frau Schäferspielen oderKomödien gehalten. Wie gern verschanzte er sich später, als er sichthöricht und ans den eitelsten Gründen der Eitelkeit mit der Neuberüberworsen hatte, als er den festen Fuß verlor, als Lessing den engli-schen Geschmack empfahl, wieder hinter seine französischen Kritiker undAutoritäten. Denn er übertrug seinen ganzen Haß gegen Milton aufShakespeare und selbst ans Lee nnd Aehnliche, er sah die englische Bühneals eine gothische, als einen reinen Verderb und neue Barbarei an, undverfocht, hier müßten uns die Franzosen bleiben, was die Griechen denRömern waren.
Gottsched'S Eifer für die Bühne hatte den unbestreitbaren Vortheilgebracht, daß endlich auf einen anständigen Weg geleitet ward, auf demman hoffen durfte, die Einreden der Pastoren zum Schweigen zu bringenund die Kälte der Gebildeten anfznthanen. Die Neuber'sche Gesellschaftspielte 1730 in Hannover, wo der Harlekin Müller und andere Truppendurch ihre Sitten und Stücke dem Publikum vorher die Theaterfreudeverdorben hatten; aber Neuber's sogenannte Versekomödien stellten dieSache bald her; die Geheimenräthe fingen an, die Vorstellungen zubesuchen, der Adel folgte nach. Selbst in Nürnberg wurden 1731 dieVornehmen gewonnen, ein wenig die Leipziger Bücher und Darstellun-gen anzusehcn. In Straßburg feierte 1730 die Gesellschaft den Triumph,eine französische Truppe zu überbieten und den französischen Cato mitdem Gottsched'schen zu schlagen. Endlich schien 1737 selbst die Gleich-gültigkeit des sächsischen Hofes gebrochen zu werden; der König ließ dieNeuber'sche Gesellschaft in Hubertnsburg spielen und wollte sie sogar inseine Dienste nehmen. Damals war das Repertoire so weit gediehen,daß die Gesellschaft 50 bis 00 übersetzte französische Stücke anfführenkonnte. Neue Coulissen und Kleider thaten das ihrige dazu. „KünftigeMichaclismesse, schreibt Neuber 1731 an Gottsched, werden wir unsereSchaubühne mit lauter neuen Verwandlungen ansputzen. Kleider wer-den alle Tage noch mehr verfertigt, endlich wird doch was draus werdenmüssen !"Vorzüglich wichtig war auch, daß Leipzig eine Art Mittel-
tkO) Daiizel, Gottsched,,. 133.