332 Wicdergeb. d. Dicht, tint. d. Einflüssen d. Moral, u. d. Kritik.
Punkt der deutschen Bühne ward, nachdem sich selbst Lessing, wie wiroben hörten, wiederholt hinzog. Wie nützlich die Wanderungen derSchauspieler damals waren, um eine Volkstheilnahme an dem Theaterauszubreiten, so hatten sie doch wieder den großen Nachtheil, daß unterdem steten Wechsel weder ein Ort zu wahrem, gediegenem Geschmackegelangen, noch ein Unternehmer gute Spiele sesthalten, noch ein guterSpieler sich ruhig ausbilden konnte. Neuber hielt doch eine Reihe Jahrein Leipzig aus, und als sich die Gesellschaft zu ihrem großen Nachtheilenach Petersburg berufen ließ, ersetzte sie Schönemann (1740), bei demsich Eckhof zuerst zeigte. Nachher kehrte sie zurück, ohne die alte Stel-lung wieder einnehmen zu können; um 1750 gründete Koch eine neueTruppe in Leipzig mit der vorstechenden Neigung, sich stehender einzu-richten. So blieb es bis zum Kriege; und Leipzig ward die Wiege un-sers Theaters, ehe in Hamburg oder Wien nur Versuche gemacht wur-den. Der Hof störte wenigstens nicht; Leipzig war in Sachsen, wasKönigsberg in Preußen; es war der Sitz einer Opposition gegen dieHauptstadt, die sich nur nicht so laut machen durste wie die in Königs-berg. Das Schauspiel wuchs hier frei aus sich selbst auf. Wie Gott-sched seine Einflüsse auf die Neuber in ihrer ersten Periode geübt hatte,so übte sie Lessing bei ihrer Rückkehr aus Petersburg auf sie, und dannauf Koch und Brückner. Koch's Vorstellungen regten die Cronegk,Weiße u. a. zum Dichten an, und um 1755 erschienen Schilderest»der Koch'schen Bühne, die ersten Theaterkritiken, die bald Nachahmungfanden und nicht ohne Einfluß blieben. Privatleute unterstützten inLeipzig die Bühne aus reiner Theilnahme, wie früher und später inHamburg geschah; Mag. Steinel, der dort unabhängig lebte, unter-stützte Koch mit Rath und That, schrieb ihm Prologe, übersetzte ihmfranzösische Lustspiele, und er und Koch bestimmten Romanus sich aufVerfertigung dramatischer Stücke zu legen. Wie Vieles an Koch hing,steht man schon daraus, daß Lesstng ganz frühe den Plan eines Trauer-spiels fallen ließ, als er hörte, Koch wolle die Neuber verlassen.
Alles, was bis um 1750 hin einigen Namen unter den Bühnen-dichtern hatte, war von Leipzig ausgegangen und gehörte zu Gottsched'sSchule. Der Fall war hier ganz umgekehrt als in anderen Verhält-nissen anderer Personen aus dieser Schule. Viele von Gottsched's An-hängern, die ihm äußerlich treu blieben, verließen ihn, wie z. B. Küst-ner, in Richtungen und Gegenständen ihrer Schriftstellereien; beimTheater war es so, daß selbst alle die, die sich scheinbar von ihm los-rissen, doch in seiner Manier und im französischen Geschmack arbeiteten.