Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
304
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304 Wiedergeb. d. Dicht, mit. d. Einflüssen d. Moral, u. d. Kritik.

darum jenen einen Sophisten nennen wollte, dem ewig der Ganmennach Wahrheit dürstete, und diesen einen sklavischen Höfling, der nachdem Wohle seines Volks seufzte, der würde beidemal die liebe Sonneam Hellen Tage leugnen.

Die Unstetigkeit in Lesstng's Leben war segensreich, sei sie nunWillkühr oder Instinkt gewesen. Alles hing davon ab, daß in unsereLiteratur Verbindung kam: das fühlten dunkel alle die Vereinsmännerund Buudesglieder poetischer Klubs. Lesstug, der keinem beschränktenOrte augehören und auf keinem Sonderzweck arbeiten konnte, trieb sichüberall um und wir finden ihn in allen Städten, die für die deutscheBilduug eine Bedeutung hatten, in Leipzig, Berlin, Breslau, Ham-burg, Brauuschweig ansäßig, oder auf andere absehend, die etwas ver-sprachen, wie Wien, Mannheim und Königsberg. Ueberall schien es,als ob er sich für einen Ordner der literarischen Zustände angesehenhätte und wir werden sogleich sehen, wie seine ganze Schriftstellern dementsprach. Ueberblickt man diese oberflächlich, so sehen wir das Hauptaller Fragmeutisten der 70er und 80er Jahre in ihm. Wir finden einemaaslose Thätigkeit in so verschiedenartigen und schnell abwechselndenRichtungen, daß sie uns noch mehr eine planlose Thätigkeit scheint; wirtreffen auf solche Kollektanecnschnitzel und so sonderbare trockene Gegen-stände, daß wir einen ganz gewöhnlichen deutschen Gelehrten vor unszu haben glauben, der so planlos sich in Büchern umtreibe, wie er imLeben planlos sich umzutreiben schien. Schwankend zwischen Theologieund Meinem schrieb ec zuerst Komödien und entwarf Werke, die unsmit dem Theater von ganz Europa bekannt machen sollten; dann über-setzte er Huarte's Buch von der Prüfung der Köpfe aus dem Spanischen,und wollte den Messias ins Lateinische übersetzen. Zn gleicher Zeit be-schäftigte er sich mit Verbesserung des jöcher'schen Gelehrteulerikons,übersetzte dann einen Theil von Marigny's Geschichte der Araber undvon Friedrich's II. Werken, wollte Bccker's bezauberte Welt neu heraus-geben, Wochenschriften schreiben, worunter namentlich Eine, die denTitel führen sollte: das Beste aus schlechten Büchern. Die Schriftendes Jordauus Brunus, Cardan und Campanella wollte er ausziehen;Hutcheson's Sittenlehre der Vernunft, Richardson's Sittenlehre für dieJugend übersetzte er, und dazwischen machte er Gedichte, Fabeln, Schau-spiele und schrieb an jenen Zeitschriften der Berliner. In Breslau ar-beitete er dann zum erstenmal zusammengefaßter aus seine ersten Haupt-werke los, auf Laokoou, die autiquarischeu Briefe und Minna vonBarnhelm. In Hamburg entstand die Dramaturgie, und hinfort waren