Lessing.
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Jüngling sich so und darum das Leben genommen? Gewiß nicht. Siewußten sich vor der Schwärmerei der Liebe ganz anders zu sichern; undzu Sokrates' Zeiten würde man eine solche epcoros welche
rr ixümv antreibt, nur kaum einem Mädchen verziehen
haben. Solche klein-große, verächtlich-schätzbare Originale hervorzn-bringen, war nur der christlichen Erziehung Vorbehalten, die ein körper-liches Bedürfniß so schön in eine geistige Vollkommenheit zu verwandelnweiß." Wir hören hier aus seinen eigenen Worten, daß eine ganz antikeNatur aus ihm spricht: wir könnten eben sowohl sagen, es ist die Stimmeeines ächten Deutschen ans jenen Zeiten Luther's, da der antike Geistüber der ganzen Nation schwebte, der kein anderer als der Geist der rei-nen Menschlichkeit ist. Ganz so frei wie Lessing von unserer Empfind-samkeit in obigen Aenßerungen erscheint, war es das Alterthnm. Ganzantik ist der Zug, mit dem er das Schmachten über Musik und schöneNatur nicht mag, und gelegentlich der Frühlingöschwärmer mit scherz-haften Paradoren spottet. Er fühlt das Wohlthuende einer schönen Ge-gend, aber nicht den empfindsam-wehmüthigen Eindruck, den wir ge-neigt sind daher zu empfangen. Wir wollen hier Schillern reden lassen,um nicht die Vertheidignng aller lessing'schen Härten ans uns allein zunehmen. Schiller empfindet in diesem Punkte nach, wenn auch vielleichtnicht ganz mit ihm, obgleich sein menschliches Verhältnis) zu Voß undGöthe dem zwar grelleren des Lessing zu Klopstock und Wieland nichtunähnlich ist. Unser Gefühl für Natur, sagt er, gleicht der Empfindungdes Kranken für die Gesundheit. Es ist nicht Natnrmäßigkeit, was unsso schwärmerisch zu ihr zieht, sondern die Naturwidrigkeit unsrer Zuständeund Sitten, weil die Natur bei uns verschwunden ist, und weil wir sienur außerhalb des Menschen in der unbeseelten Natur wiederfinden.Wer hiernach in sich selbst die menschliche Natur in solcher Reinheit wieLessing herstellt, durfte der wehmüthigen Sehnsucht nach jener entbehren.Ueberall finden wir in Lessing aufs schärfste die Züge, die sich hierananschließen. Er neigt sich von der Musik weg zu den plastischen Kün-sten; in den plastischen Künsten lieber zur Skulptur als Malerei, in derMalerei setzt er höchst bezeichnend, wie ein Grieche gethan haben würde,das Kolorit gegen die Zeichnung zurück. In der Poesie sucht er Men-schen und menschliche Handlungen, abgewandt von Lehren und Natur-schildernngen; das Epos geht ihm vor dem Drama, das Drama vorallem übrigen, Homer über Sophokles, Plautus und Shakespeare, unddiese über jeden Andern. Antik ist sein männlicher Sinn, nach dem erhandelte in anderen Begriffen von Tugend und in gesteigerten Forde-