Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
286
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286 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

Fortschritt in der Kunst der Erzählung unverkennbar. Sein Geron istaus dem 6^rou >e oourtois ausgehoben; er ist reimlos; der Vortragernster und gemessener; der Anlaß zum Schlüpfrigen ist anständig ver-mieden. In der Wasserkufe ist der Inhalt aus einem Fabliau in LeGrand's ooutes äovots;-ein sehr kitzlicher Stoff in einer der ächten Nai-vität und Unbefangenheit wirklich nahe kommenden Erzählung. Selbstin dem Feenmährchen Pervonte, das schon einige Albernheit gestattete,herrscht ein gehaltener Ton. Das Wintermährchen( 1776) ist noch besser;nie hatte Wieland vorher so fesselnd und unterhaltend, so ohne Breiteund Ermüdung in Versen erzählt, wie hier, in einem Feengeschichtche»,über das er in DonSylvio gespottet hatte. Hier gelingt's ihm in seinenReimpaaren hier und da den Ton der mittleren Zeiten oder des HansSachs anzuschlagen; eine mäßige und unerzwungene Laune breitet sichüber das Ganze. Die nächste Umgebung in Weimar, der geschmackvolleKreis, in dem er sich hier bewegte, der rasche Aufschwung unserer Litera-tur in diesem 8. Jahrzehnt, wirkte auf den empfänglichen Mann ein,der wie Göthe in seiner Art jede kleine Schattirung der nationalen Bil-dungen in sich abdrückte. In diesen Erzählungen, wie in den Sommer-mährchen (nach On-etieu <Ie Droz-os), dem Vogelgesang (Nachbildungdes ia^s <ie I'oiselet) n. A. erhebt er sich weit über die gellert'sche Manierdes Vortrags, er wirft ganz jene falsche Schminke einer platten Launeab, und wo er sich ja noch einmal in eine Nebenbetrachtnng verliert,findet er sich ohne die schalen Späße der früheren Erzählart zurechl. InGandelin oder Liebe um Liebe (1776) gelingt es Wielanden fast, in diealte Atmosphäre zu versetzen. Wenn man wissen will, warum man ihnden Dichter der Grazien nannte, so muß man dieses Stück lesen; undwenn irgend Jemand an unserem Lobe Anstoß nehmen sollte, so müssenwir empfehlen, von den früheren Schwänken etwa den neuen Amadisvor dem Ganvelin zu lesen, um zu finden, wie weit Wieland hier übersich selbst hiuaustrat, welches Maaß gehalten ist in Sache und Sprache,wie harmlose Laune, ein pikanter, leichter, schwebender Gang der Er-zählung, schalkhafte Einfälle und reizende Farben dieses Spätere aus-zeichnen. Selbst Oberon scheint formell nicht so viele Vorzüge zu haben,als Gandelin; Klelia und Sinnibald (1783) ist schon wieder viel Plau-derhafter und fader.

Der Oberon (1780) baut sich auf allen diesen rhapsodischen Ver-suche» auf. Er ist fast das einzige Werk, daS Wieland's Namen popu-lärer gemacht oder erhalten hat. Der Beifall der größten Männer mun-terte ihn auf. Göthe schrieb an Lavater: So lange Poesie Poesie, Gold