Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
287
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und weltlichen Moral, und der Kritik. Wieland. 287

Gold und Krystall Krystall bleiben wird, wird Oberon als ein Meister-stück poetischer Knust geliebt und bewundert werden. Die Schlegel sahenihn mit Recht als den Anreger des romantischen Geschmacks an, und inder That reihte sich Alringer unmittelbar an Oberon an, der in Wiensür die romantische Poesie einen ordentlichen Schauplatz eröffncte. We-nige, die wie Heinse achtsamer an den italienischen Meistern stndirt hat-ten, wehrten sich gleich Anfangs dagegen. Es ist bekannt, daß Oberonnach dem alten Romane Uno,, äe Loräeaux bearbeitet ist. Wielandrühmte sich selbst, die Geschichten Huon's und Oberon's so verflochtenzu haben, daß alles Maschincnartige vermieden, daß dem Gedichte da-durch Einheit und Zusammenhang gegeben, und dem Oberon durch An-näherung an den shakespearischen ein erhöhtes Interesse zu Theil ward.Es paßt recht schön, daß Wieland'S Naturell ihn zum Schlüsse und aufder Spitze seines poetischen Schaffens gerade aus solch einen Gegenstandführte, der so recht nach seinen Lebensgrundsätzen war: wie ein Mensch,der einer Schwäche unterliegt nicht eben ein schlechter Mensch sein muß,und sich ein andermal eben so stark beweisen könne, als vorher schwach.Der glücklich gewonnene Boden leiht ihm auch hier etwas mehr Flug,und wenn zwardie Adlerschwinge der hohen trunkenen Schwärmerei"ihn nicht hoch trägt, so reißt sie ihn doch hier wie in den andern Erzäh-lungen dieser Zeit weit über seine früheren Werke hinweg, in denen ernoch unter dem Joch moralischer Zwecke lag. Freilich ist es traurig, daßnichts als ein Oberon der Triumph der Muse unsers Dichters ist, dernicht Unabhängigkeit der Poesie erringen konnte, als um den Preis, zuden schalen Nomanstoffen zurückzugreifen, in denen die Dichtung aufnichts höheres berechnet ist, als auf feine Unterhaltung, in denen dasganze Geschick und alle Gabe des Dichters in nichts anderem gesuchtwird, als wie bei jenen Alten schon in dem Vortrage, in dem man überkein Stäubchen straucheln soll. Dann freilich wird man bei nnö immerdahin kommen, den Kern der Schale zu opfern, wenn man einen Ehr-geiz darein setzt, mit Metastasio im Wohlklung zu wetteifern; und wennman dann endlich, wie Wieland, doch dnrchmerkt, daß bei allem darge-brachten Weihrauch die Welt das Hohle und Kernlose wohl kennt, sogeschiehts denn, wie es zuletzt auch bei Göthe der Fall war, daß mansich unwillig an der Schale selbst vergreift. Es ist doch eine Schande,daß Wieland am Schluffe seiner poetischen Laufbahn (1789) im Merkurschreiben konnte: Die Zumnihung, mit Sackpfeifen und Strohfiedelnein liebliches Concert zu Stande zu bringen, wäre kaum eine schwerereAufgabe, als die, in unserer rauhen und langsam sich sortschleppenden