Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
285
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und weltlichen Moral, nnd der Kritik. Wieland. 285

das Eitle und Lächerliche im Menschen, und er erfuhr die Kränkung,mit diesen Anhängern in Eine Linie gestellt zu werden.

Mit Wieland's Versetzung nach Erfurt war eigentlich eine Wieder-holung seiner früheren Lebens- nnd Schriststellerepochen in einem hö-heren nnd edleren, zum Theil verwandelten Stile eingetreten. Was inseiner Jugend zuerst die antilukrezische und christliche Philosophe war,das ward nun die antirousseau'sche und politische Philosophie, und soviel andächtig gläubige Denkart dort gefunden ward, so viel zweifelndepsychologische Forschung stellte sich hier au die Stelle. Aus jenen erstenBeschäftigungen heraustretend, versuchte er sich damals an dem Schau-spiel, und ähnlich wagte er es bei seiner Versetzung nach Weimar, aufdie wir später zurückkommcu, sich auf die Oper zu werfen. SchweizersKomposition der Aleeste (l773) und der Wahl des Herkules verschafftediesen einen außerordentlichen Beifall; allein über die Rosamunde sahes Wieland nachher selbst ein undbekannte es vor Gott und Menschen,"d. h. er schrieb es an Merck, daß er für alles Dramatische keinen Sinnhabe, nnd er war nahe daran, sich für einen Duns zu halten, da Keinerseiner Freunde damit zufrieden war. Zurückgeschreckt von diesen Versu-chen fiel er nun wieder auf seine griechischen und ritterlichen Stoffe zu-rück, in denen er nun bei weitem bessere Leistungen als früher hervor-brachte. Wir lassen hier seine Stellung in Weimar, seine Thätigkeit amMerkur, sein Verhältniß zu der neuen Periode der Originalgenies in den70er Jahren noch unerörtert, und verfolgen nur vorausnehmend bis um1780 seine poetischen und prosaischen Erzählungen in den genanntenGebieten, damit wir an dieser Stelle die ganze Masse der wielandischenWerke übersehen, die uns berechtigen konnte, in der Erneuerung dieserStoffe und Formen der mittleren Zeiten ebenso wenig ein blindes Un-gefähr der Nachahmung finden zu wollen, wie in Klopstock's Behandlungdes Messias. Wir treffen also in diesen Jahren eine Reihe von Ritter-erzählungen, die alle aus den Höhepunkt von Wieland's Poesie, denOberon, Hinstenern. Indem Wieland jetzt alle seine Sachen in seineZeitschrift, den Merkur drucken ließ, mußte er sich's häufig bequem ma-chen, um schnell etwas Manuskript fertig zu haben; er kam daher vonErfindungen ab, die ihm immer schlecht geriethen, und fiel auf die ächtenQuellen der Ritterdichtung, die er in eben der freien Manier nacher-zählte, wie einst die ritterlichen Poeten selbst. Dadurch kam er den ächtenStoffen und mit diesen dem ächten Tone näher, mit dem diese Dingebehandelt sein wollten. Er suchte sich ein deutsches Gaulois zu bilden,wie er sagte, und wie wenig es ihm auch damit gelang, so ist doch der