Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
284
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284 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

vernichtet Wieland denn durch diese Doppelseitigkeit, die er nie verleugnenkann, immer die Wirkungen, die er auf Einer Stelle macht, mit der Ge-genwirkung von einer andern Seite her; man hält sich hier mit den Geg-nern seiner Helden und seiner Begriffe, an denen mau überall anstößt.In dem Anhänge, der Geschichte des Danischmend, erscheint dieser ganzwie ein Tugendheld senelon'scher oder florian'scher Romane, und manmöchte gleich gegen ihn mit dem bösartigen aber wellklugen Kalender,der ihm da entgegengestellt ist, Partei machen. Es ist hier jene fran-zösische Art von Mcnschenschildereien, die die Psychologie wie eine Ta-schenspielerkunst handhabt, wo jedes Laster und jede Tugend möglich ist,jedes Verhältniß willkührlich gesponnen, und willkührlich der Faden ge-handhabt wird, um das Verwickelte mit anscheinender Feinheit zu lösen.Sonderbar genug sagt hier Wieland, daß in den Predigten gegen dieGebrechen der menschlichen Natur kein Gran Menschenverstand sei! ge-gen die Unterdrücker und deren Ueppigkeit, die die Ursache des menschlichenVerderbens sind, gegen sie soll man predigen. Und um dies seinerseitszu thun, schildert er das glückliche Völkchen der Jemaliter, zu dem ihmseine lieben Foleys saßen, das von Bonzen und Kalenders verderbt wird.Aber die beabsichtigte Wirkung kommt gar nicht heraus. Denn wennso grobe Werkzeuge wie seine Fakirs mit ihren Lingams ein so edlesVolk so leicht gefährden können, soll dann dieseglückliche Schwäche derTugend" beweisen, daß man mit Unrecht gegen die Gebrechen dermenschlichen Natur predigt? Wir sehen hier Wieland zum erstenmal aufdem ermäßigten Standpunkte stehen, auf dem er hinfort stehen blieb.Er hatte im Anfang die Menschen für Engel und Platoniker gehalten,er nahm sie dann für Schwächlinge; wie ihm Beides verleidete, so hielter die gute Meinung von der menschlichen Natur fest neben der Über-zeugung von ihrer Verderbnis- durch Zeit und Verkünstelung, und er be-hielt sich den Glauben an einige gute Ausnahmen vor. In dem Schrift-steller Cador, der im goldnen Spiegel vorkommt, giebt er selbst seinjetziges Glaubensbekenntniß. Dieser Mann leitete die meisten Urtheileund Handlungen der Menschen aus den mechanischen Wirkungen physi-scher Ursachen her, oder aus geheimen Täuschungen der Einbildung unddes Herzens; je erhabener die Beweggründe waren, aus welchen Je-mand zu handeln vorgab, desto größeres Mistrauen hegte er; er hatteeine gute Meinung von der menschlichen Natur, er hielt sie durch Jahr-tausende der Künstelei für zerrüttet, glaubt aber dabei an eine Anzahlschöner Seelen und liebte diese; dies rechneten ihm falsche Anhänger alsSchwärmerei an, und folgten ihm nur in seinem spöttischen Zuge gegen