Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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282
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282 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

Zeit, wo ein freier, wahrer und guter Mensch das größte Paradoronist. Er neigt auch nicht wenig zu Rousseau darin, daß dieser wie Er vielemenschliche Schwachheiten so liebenswürdig fand. Und was mehr ist:jene Urzustände der ersten geselligen Stufe misfallen ihm von Herzengar nicht so völlig, wie er sich in seinem Eifer für Bildung anstellt. DieFrage, ob es besser sei, Tugend zu üben ohne das Laster zu kennen, odermit dem Laster bekannt zu sein, damit man die Tugend aus der Ueber-zeugung lerne, sollte zwar nach seiner shaftsbury'schen Theorie und nachder Praris seiner Mnsarion für das Letztere entschieden werden, alleinsie scheint ihm jetzt (in den Reisen des Abulfavari) einerlei mit derFrage, ob es besser sei, gesund zu sein ohne es zu wissen, oder sich krankzu machen, um die Gesundheit besser schätzen zu lernen. Nur weiß er beidieser theoretischen Antwort die praktische Entscheidung zu wohl, daßLaster und Krankheit kommen muß; er holt sich ans der Geschichte denGrundsatz: daß Alles, was ist, gerade so ist, wie es zur Zeit, da es ist,sein kann; und mit diesem Grundsätze die stärkste Säule seiner Duldunggegen Alles, mithin auch gegen die Zustände der Natur wie des Lurns,gegen Rousseau's amerikanische Wilde und Voltaire's Zeitalter Lud-wig's zugleich. So verliebt er sich um diese Zeit in die Foleys an derGambia, nach einer Beschreibung von Franz Moore, wie sich Herdervon Levaillant begeistern ließ. Er findet, ganz nach seinem System, inihnen ein Völkchen, das glücklich in Einfalt ist, weil es noch keine Un-terdrückung geduldet, weil es noch in einem Zustande lebt, indem alleVölker einmal Foleys waren. Allein diese Sicherheit vor Unterdrückungist blos zufällig, sagt.ihm sogleich sein historischer Realismus, um ihnnicht auf dem poetischen Ideal weilen zu lassen; und ohne Sicherheit istkein Glück; dieser Zustand kann in der wirklichen Welt nicht dauern.

Auf diesen Beschäftigungen baute sich Wieland's goldner Spiegel(1772) auf, in dem er sich von den unmoralischen Liebesgeschichten ent-fernt halten und diese ernsteren Wahrheiten lehren wollte. Er arbeitethier in Voltaire's Manier, die Uebelstäude der Nähe und Gegenwartmit denen der Ferne zu vergleichen, die Wirklichkeit mit Erdichtungen,die Geschichte mit allgemeinen Erfindungen zu erläutern; man erinnertsich an die politischen Allegorieromane des 17. Jahrhs., von denen Wie-land nachher bald (in den Abderiten, dem Peregrin, Agathodämon,Aristipp) auf die Geschichtsromane überging. Nichts ist so charakteristischfür Wieland's Hin-und Herwiegen zwischen Jdealism und Realism,als dieses Buch. Der Hofphilosoph des Schach Gebal, Danischmend,erzählt den Verlauf eines Staatslebens nach allgemeinen historischen