und weltlichen Moral, unv der Kritik. — Wieland. 27!)
Planen um, er wollte eine Geschichte der sokratischen Schule schreiben,die so gut ein Halbroman würde geworden sein, wie später sein Aristipp;ja einmal dachte er gar an eine deutsche Reichshistorie, von der ihn Ja-cob!, gewiß ohne große Mühe, abbrachte, indem er ihm das Zeitalter desPerikleS vorschlug. Aber all diese historischen Plane drängte seine Be-schäftigung mit Rousseau zurück. Wie er in seiner Graziendichtung sichzu den preußischen Lyrikern in Halberstadt und Halle stellte, so steht erhier neben den preußischen Philosophen in Berlin, die sich ebenso undin den gleichen Absichten mit Rousseau beschäftigen. Wie dieser MannWielanden natürlich interessiren mußte, folgt aus dem vorhin angeführ-ten Systeme unseres Dichters, das ihm schon in diesen Zeiten (1770) klarvorlag, nach dem er sich entschieden für Fortschritt und Erkenntniß er-klärt hatte. Rousseau, auf das Elend der ganzen mittelalterigen Ge-schlechter, auf die Nutzlosigkeit der mittelalterigen Bildung, aus dieGreuel, die der christliche Religionsglaubcn im Mittelalter hervorrief,den Blick gerichtet, kam auf jene berühmten Sätze, es sei dem menschli-chen Geschlechte besser, gar keine Gesetze, Künste und Wissenschaften zu ha-ben, und ans die dreiste Behauptung, die Geselligkeit sei nicht Natur imMenschen, die Natur habe so wenig als möglich zu den Verbindungenbeigetragen, die der Menschen Freiheit und Glück untergraben hätten.Dies ging ganz gegen Wieland's gesellige Triebe und gegen seine Kul-turtheorien an. Entfernung von der Einfalt der Natur war ihm nichtEntfernung von der Natur selbst; möglichste Vervollkommnung und Ver-schönerung des Lebens war ihm Zweck aller Bestrebungen, nicht die ur-sprüngliche Bedürfnißlosigkcit. Ebenso ging diese neue Lehre auch ge-gen Wielauds's neuen Haß aller schroffen Ertreme. Wollte er denMenschen nicht von Münz zum Engel gemacht sehen, so auch nicht vonSwift zum Teufel und von Rousseau zum Affen. Wollte er nicht denZustand der Ueberbildung billigen, so doch auch nicht den der Unbil-dung und Rohheit; es war ein geschichtlicher Erfahruugssatz bei ihm,daß aus jenem Naturzustände die Menschen immer zum Sündenfall über-gingen und aus diesem wieder sich zu grundsätzlicher Tugend erhebenkönnten, so wie daß aus jenem Zustande der Ueberbildung Revolutionenwieder zu natürlicheren Verhältnissen znrückführten^"). Auch hier also
I4S) Lange vor der Revolution schrieb er diesen Satz: „Aeußerste Verfeinerungder schönen Künste sind zugleich eine Folge und Ursache der äußersten Ueppigkeit derSitten. Diese untergraben einen Staat bis er znsammenstürzt. Aber wenn sich dies ineinem Zeitpunkt ereignet, wo zugleich der ganze Inbegriff der aufklärenden und nützli-