und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 275
sätze, die wieder die ganze Moral der ritterlichen Dichter so gut wie dieseine durchdringen. Diese Principlosigkeit, diese Passivität, dieses Ge-henlassen der Welt war der Wahlspruch seiner leichtfertigen Kamöneu*")und der Kern seiner Lebensphilosophie. Was diese letztere angeht, sohaben wir ihren allgemeinen Gehalt schon bei den Lyrikern dieser Seitehinlänglich kennen gelernt; Wieland's sämmtliche Schriften durchdringtsie ans allen Blättern, und zusamincngedrängt hat sie Gruber mit Rechtam besten im golvnen Spiegel gefunden, in den Gesetzen des weisenPsammis, die auf Folgendes hinauslaufen - Das Wesen der Wesen be-darf unserer nicht; es will bloö, daß wir uns glücklich machen lassen.Freude ist der letzte Wunsch aller Wesen, auch des Menschen, in demAlles zum Werkzeug des Vergnügens gemacht ist. Wäre es möglichgewesen, uns des Vergnügens fähig zu machen ohne Schmerz, eS wäregeschehen. Man soll nur der Natur folgen, dann wird die Wonne seltenunterbrochen werden. Mäßigung ist Weisheit, nur weil sie Verwah-rungsmittel vor Uebcrdrnß ist, und Arbeit rathsam, weil sie Gesundheitschafft, ohne die kein Glück ist. Den Unterschied zwischen Nützlich undAngenehm soll man aufzuhebcn suchen; man soll die leichte Kunst ler-nen, das Glück ins Unendliche zu mehren, man soll Wohlwollen aufAlles erstrecken, damit Alles wieder uns wohl wolle. — In der That,diese Sätze sind mit einer wahren Meisterschaft zusammengestellt, um imWiener Publikum und wo nur immer ein saules Schlaraffenleben ge-sucht wird zu gefallen. Selbst einer Frau von Stael mißfiel dieser
147) Eine sehr charakteristische Stelle ist im IZ. Gesang des neuen AmadiS:
Mir ist nur die Natur in ihrer Einfalt schön.
Ein leichtes Mal in selbstgepflanztem Schatten,
beim rosenbekränzten Becher ein muntrer so kratisch er Freund,
und eh zum späten Schlaf die ruhigen Sinne ermatten,
aus einem Munde, wo Reiz und Unschuld blüht,
von Hagedorn ein kleines muntres Lied, —
dies nenn' ich mir ein Fest! — doch keiner Seele verwehrt,
vom Hören schon bei meinem Feste zu gähnen!
Ein jeder reite, vor mir, sein kleines hölzernes Pferdnach seiner Weise; dies ist der Wahlspruch meiner Kamönen!
Er zäum' es, wen» er will, anstatt beim Kopfe beim Schwanz;wir wollen ihm zu gefallen nur leise darüber lachen.
Die große Kunst, dem alten häßlichen Drachen,
der uns zum Bösen versucht, sein Spiel verlieren zu machen,
ist guter Mnth und Toleranz,
Doch dieses unter uns. Denn eueren Tartüffcn, Schweifungenund G ' n wird ewig umsonst dies Liedchen vorgesungen.
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