und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 271
und Brutus. In ihren Lebeusrichtnngeu vertreten Wieland und Klopstockdie Hanptseiten des Idealismus und des verständigen Rationalismus;Klopstock zeichnete daher heroische Gesinnungen und das Göttliche imMenschen, Wieland kehrte mit unverholener Menschlichkeit die Schwächeder Erdensöhne heraus, und stellte sie in mildes Licht. Er spottete derUeberhobenheit der Stoa und der christlichen Tugend, und wies die inGott Lebenden auf das sokratische /vcäö-r zurück. Wir lernen
bei ihm in den eigenen Busen greifen, der uns bei Klopstock verschleiertist; wir lernen den Werth des Menschen bei ihm geringer, vielleicht zugering, aber richtiger immer, als bei Klopstock schätzen. Beide bliebenmit ihren rückwärts gewandten Augen in den alten Gebieten der Dich-tung stehen, haben aber dennoch gleichen obwohl ganz verschiedenenTheil an der späteren Romantik. Klopstock hatte in seinem menschlichenWesen, in seinem poetischen Leben ein Verhältnis; zu dieser, Wieland inseinen Schriften und Dichtungsstvffen. Jene Romantik, der es mit ihrerMaterie wieder Ernst ward, wandte sich natürlich gegen den hansväter-lichen Dichter des nüchternen Verstandes, der diese Stoffe nur ironischbehandeln konnte. Nie hat vielleicht ein Mann, der so sehr zum Dichter-geboren war, wie Klopstock, sich in dem Maaße wie dieser mit freierWillkühr seine Anlagen, in falscher Richtung nach einseitigen Empfin-dungen verdorben, so daß Alles, was er über Dichtung theoretisirte undin ihr leistete, unter seinen Gaben blieb. Und im Gegentheil, vielleichtwar nie ein Mann so wenig zum Dichter geschaffen wie Wieland, derfich aber von dem Triebe der Zeit Hinreißen ließ und wenigstens zu einerAnsicht über Dichter und Dichtung kam, die fast nichts zu wünschenläßt. In seinem Schreiben an einen jungen Dichter fordert er an denPoeten „scharfe Stimmung aller äußeren Sinne, daß jede Empfindungdie Melodie des Objekts im reinsten Einklang verschönert zurückgibt,ein Gedächtniß, in dem nichts verloren geht, in dem sich Alles zu jenerfeinen bildsamen Masse amalgamirt, aus der dann die Schöpfungen her-vorgehen einer Einbildungskraft, die durch unfreiwilligen Trieb allesEinzelne ivealisirt, alles Abstrakte in bestimmte Formen kleidet und dembloßen Zeichen immer die Sache selbst oder ein ähnliches Bild unter-schiebt; die alles Geistige verkörpert, alles Materielle zu Geist reinigtund veredelt; eine zarte und warme Seele, ganz Nerv, Empfindung undMitgefühl, die sich nichts Todtes und Fühlloses in der Natur denkenkann, sondern immer ihren Neberschwang an Leben, Gefühl und Leiden-schaft allen Dingen mittheilt, stets mit der behendesten Leichtigkeit anderein sich und sich in andere verwandelt; eine erklärte Liebe zu allem Wuu-