und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 26!)
Barden und die Seraphiker bilden; eben so haben wir Wieland abfallcnsehen von den Seraphikern und können ihn in dem verklagten Amor derBarden spotten hören. Die menschlichen Charaktere seiner Romanestehen eben so den erhabenen Kraft- und Tugendhelden Klopstock'Sgegenüber, wie Gottfried's Tristan gegen die Heroen und Riesen derdamaligen Epen, über die Wieland gerade so spottet, obgleich sie ihmnicht so nahe lagen. Wieland ist daher der vollkommenste Gegensatzgegen Klopstock in allen erdenkbaren Beziehungen. Er ist sinnlich, wieKlopstock übersinnlich, verständig wo jener empfindsam; seine ganzeDichtung ist so von Geschichte und Philosophie beherrscht, wie jener vonReligion und Musik; er ist didaktisch, Klopstock lyrisch: seine Spracheist daher der prosaischen Rede so nahe wie Klopstockö der musikalischen.Er hat so viel Verhältniß zu der französischen und südlichen Literatur,wie Klopstock zur englischen und nordischen; zu Shaftsbury und Vol-taire, wie jener zu Milton und Uoung. Klopstock ist es mit der Poesieselbst im Leben Ernst, Wielanden ist sie ein heiteres Spiel. Dies ist diegroße Grnndverschiedenheit dieser beiden umfangsreichen Gruppen derschweizerischen und nordischen Dichter um Klopstock und der höllischenund halberstädtischen um Wieland, daß jene ganz musikalisch, ganzEmpfindung und Natur die Dichtung ans das Pathologische, auf dieeigenen Gefühle und Leidenschaften gründeten, diese dagegen ganz red-nerisch, ganz Verstand und Kunst in der gegentheiligcn Lehre so weitgingen, daß Gleim geradezu aussprach, nicht die wahren, sondern dieangenommenen Empfindungen machten den Dichter. Jenererste Grundsatz ist durchaus nordisch und englisch, dieser andre ganz süd-lich und französisch; beide hatte Göthe erst zu versöhnen. Von dieserGrundausstcht aus fiel Klopstock auf die christlichen Empfindungen, dieuns nahe lagen, Wieland auf die Gemälde der Ritterwelt, die uns ent-fernter standen; er trägt aber den Gegensatz zu seinen romantischen Ge-bilden in sich selbst, und verhält sich daher eben so sehr zu den ernstenBehandlern der Ritterstoffe, als zu den Verspöttern wie Rabelais, erwollte eben so oft Ariosi sein als Sterne und Lesage, die der Ritter-poesie entgegengesetzt sind. Wie wir bei Gottfried fanden, so erlaubtsich Wieland Scherz über das Heiligste der Religion; er nahm sich Klop-stock entgegen der natürlichen Religion und Vernunstmoral an, undleugnete Offenbarung und was damit zusammenhing. Klopstock ist einPatriot, Wieland ein Weltbürger; jener war ein begeisterter Verehrerder deutschen Sprache, dieser redete zuletzt schlecht von ihr, und machtedie Nachbildung einer italienischen Oktave zum Maasstabe ihrer Schön-