Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
267
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und weltlichen Moral, und der Kritik. Wieland. 267

stellt, völlig in die Welt der Ritterdichtung zurück. In Biberach ver-kehrte er an einem kleinen Hofe, im ländlichen Thal, auf einem ein-samen Schlosse, in einer nnterhaltungsbedürftigen Umgebung, in dersich die Dame seines Herzens vorfand, die die Verhältnisse zu einerDameseiner Gedanken gemacht hatten. Der Graf Stadion lieh ihm die wäl-schen Bücher, die sein Talent erst reifen und seiner dichterischen Gabedie Richtung geben mußten. Dazu ist der Schauplatz im Lande der altenDichtung, in Schwaben; die Berührung mit der Schweiz ist hergestellt;ein neuer Manesse sammelte dort eben die alten Schätze. Hier habenwir sonderbarer Weise selbst alle äußeren Verhältnisse der Minnepoesiewieder; wir haben eben einen solchen Charakter, der persönlich ganzhäuslich, doch weltbürgerlich in seinen Gesinnungen und Bestrebungen,und romantisch in seinen Poesien ausschwärmt; der unter geistigen undamtlichen Beschränkungen das Unendliche der Liebe und der Dichtungsucht; der von materiellen Grundsätzen und gutem Hansverstande aus-gehend doch nirgends der Ideale und der Schwärmerei entbehren kann;den dieser Widerspruch in sich aus eben jenen Humor und jene Launeführt, die die ganze Ritterdichtung nie verleugnet hat, weil wir in ihrüberall denselben Stoß des Phantastischen gegen das Wirkliche fanden,von dem wir meinten, daß ihn jedes Individuum von normaler Aus-bildung in der Jugendzeit durchmache; eine Krisis, die Wieland, wiewir gesehen haben, mit so merkwürdig greller Berührung der gefährlich-sten Ertreme erlebte. Er verwand diese Krisis, doch so, daß durchausvon da an seine Entwickelung nicht eigentlich weiter geht; das Fieberhatte seine Kräfte so weit erschöpft, daß er hinfort sich stets in demselben,nur etwas gemilderten, Wechsel von Wärme und Kälte, von Schwindelund Nüchternheit befand. Wir haben alle Grundbedingungen jenerZeiten und Poesien in Wieland, und aus freiem Triebe hätte ein Ent-sprechendes aus ihm hervorgehen müssen, wenn er auch nicht auf dieQuellen des Mittelalters gestoßen wäre; und wer seine allumfassendeBeschäftigung mit den romantischen Stoffen zufällig finden wollte, dermüßte den menschlichen Entwickelungsgesctzcn nicht viel nachgedachthaben. Es ist gewiß kein Zufall, daß sich die tausend kleinen Eigen-thümlichkeiten der ritterlichen Erzähler hier wiederholen, weil sie znmThcil mit den Lebensverhältnissen Wieland's eben so Zusammenhängen,wie einst mit denen der alten Dichter. Wir wollen übrigens seine ganzeErzählart, mit allen den kleinen ähnlichen Wendungen, mit all jenerzügellosen Geschwätzigkeit und den vielen Einmischungen der Persönlich-keit, seine ganze Manier, die alles Gleichartige nachahmt was ihr nahe