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4 (1853)
Entstehung
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264
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264 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

nützen könne und solle, werde durch ein anderes Gesetz bestimmt, vonwelchem zwar der Gebrauch der Kunst, aber nicht die Kunst selbst ab-hänge. Die sittliche Darstellung gerade wies von der bisherigen Ver-bindung der Poesie mit der Musik weg aus die mit der Plastik, und durchden Hinblick ans diese war eher Hoffnung, daß sie ihre eigne Unab-hängigkeit finden werde. Wäre Wieland ein Dichter gewesen, so hättediese Richtung, die er einschlug, von sehr schönen Folgen sein können.Es lag in ihm deutlich die Absicht, daß er mit der Grazie und Schön-heit, die im Gebiete der Kunst herrscht, das Leben, die Sitte und Sitt-lichkeit verschönern, der Moral eben so einen erhöhten Reiz geben wollte,wie Klopstock der Religion. Sie faßten Beide den Begriff von einerHerrschaft der Poesie im Reiche der Tugend, aber sie konnten es Beidenicht dahin bringen, sie in ihren Kunstwerken der Moral und der Reli-gion überzuordnen. Immer ist auch Wieland von moralischen Absichten,selbst in jenen zügellosen Erzählungen voll, und gleich nachher setzte erseine Poesie in noch viel engeren Verband mit Geschichte und Philoso-phie, als er ganz frühe mit der Religion gethan hatte. Und was dieHauptsache ist, seine Grazie war nicht ächt, seine Kunst nicht schön; sieverletzt gleich das Wesen des neuen Grundsatzes. Denn ganz abgesehnvon allen moralischen Beziehungen sind alle obigen Erzählungen alsKunstwerke durchaus geschmacklos und geschmackwidrig. Es hätte selbsteiniges Uebermaß, einige Uebertreibung im Anfang dieser neuen Rich-tung nicht geschadet, wenn es nur wahr wäre, was Göthe gesagt hat,daß dies Wagstücke des Genies gewesen seien ^), in denen er sich demAristophanes (!!) anzugleichen gesucht hätte; oder wenn nur in Wie-land's Genius Anlage zu wahrer Poesie gewesen wäre. Allein wiewenig dies der Fall ist, zeigt er uns eben in jenen Entschuldigungengegen den Pfarrer von ** selbst. Er stellte seine Erfindungen und Men-schen den Romanen und Charakteren des Richardson ausdrücklich ent-gegen. Gesättigt an dem Nihilismus dieser Figuren, die kein Verhält-niß zur menschlichen Natur hatten, wollte er die Menschen schildern wiesie sind. Allein er ahnte freilich nicht, daß der Dichter kein Naturforschersein solle, daß die platte Wirklichkeit der Wissenschaft gehört, nicht der

144) Wie viel näher als Aristophanes rückt Wieland nicht selten einem Blumaner!Es ist auffallend charakteristisch, daß Blumaner Wieland's Leidenschaft ward, desMannes, der für Göthe geschwärmt hatte! Nachdem Blaumauer in Weimar war,erklärte W., daß ihm das Leben nur darum lieb wäre, weil er nächstes Jahr wieder-kommen wolle!