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4 (1853)
Entstehung
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263
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und weltlichen Moral, und der Kritik. Wieland. 263

an, der Sinnlichkeit entgegenarbeiten zu wollen, und verspottet sie; be-stand dies Laster, so konnte es der Spott nicht tilgen, bestand es nicht,so mußte er es fast uothwendig Hervorrufen, denn indem er es entlarvenwill, so maskirt er es anss schönste"^). Wenn vita proba die pa^inamlasoivam entschuldigt, so möchte auch Wieland entschuldigt sein; dochist diese Rechtfertigung gewiß nur so relativ, wie man, um es derb zusagen, gegen die feile Hetäre die in Schutz nehmen würde, die wir imDeutschen eine Maulh nennen. Aesthetisch möchte die Naivetät Vie-les in Wieland's Schriften entschuldigen, wenn er sich ihrer auch inseinen poetischen Formen bemächtigt hätte, wie er denn in einigen spä-teren Erzählungen sich den mittelaltrigen Quellen und in ihnen dem äch-teren Ton der Naivetät mehr näherte, allein in den Erzählungen dieserPeriode sind die schlüpfrigen Stellen mit der Kälte des Kopfs eben soentworfen, wie früher die Seraphim bei ihm mehr Sache des Gedan-kens als der Empfindung waren; und da auf diese Weise jene Stellennichts weniger als unbefangen lauten, ja die ganzen Entwürfe fast im-mer nach diesen Stellen hin entworfen scheinen, so hat Schiller auchästhetisch manche wielandische Produkte verworfen neben Crebillon'sund Voltaire's "b). Bedeutungsvoll sind übrigens diese DichtungenWieland's eben von dieser Seite der Darstellung des Nackten im höchstenGrade dadurch, daß er thatsächlich damit die erste Hand anzulegen schien,die Dichtung von den Fesseln der Religion und Moral zu befreien. Nochehe er den Grundsatz von Lessing angenommen und sich klar gemachthatte, schien er zu schaffen nach dem Grundsätze, daß ein Kunstwerk sei-nen Zweck in sich habe, den der Schönheit; daß die Dichtung nicht, wiees seit Jahrhunderten hieß, nützlich und ergötzlich sein solle, sondern daßsie ihren Zweck erfülle, wenn sie schön sei. Ob und in wie fern sie auch

>42) Er muß daher dem Pfarrer in jener Unterredung selbst zugeben, daß er inzwei Punkten nicht mit sich zufrieden ist, die er diesem in den Mund legt: daß nämlichdie Dämme gegen die Sünde untergraben würden, wenn man durch die Liebenswürdig-keit der Sünder, durch Verschönerungen der Sache, durch den Grazienschleier über demAnstößigen, den Begriff und das Gefühl des Schändlichen der Sünde benähme, unddaß die Reizungen zur Sünde verstärkt würden, wenn man alle Kräfte der Phantasie,alle Zauberei der Poesie anfbiete, um wollüstige Gemälde zu schildern, ohne daß sichirgend eine moralische Nothwendigkeit dabei denken ließe.

>43) Gruber hat Schiller's Nrtheil (aus dem Aufsatz über naive Poesie) benutzt,um seinen Wieland zu entschuldigen, allein er legt zu viel Gewicht ans Schiller's Notezn der betreffenden Stelle, in der dieser persönlicher Rücksichten halber mildert was zumildern ist. Die entscheidenden Sätze stehen im Texte mit minder deutlicher Beziehungauf Wieland.