und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 257
aä Iiomiiiem von dem Unterschied zwischen Spekulation nnd Handlungen,zwischen Schule und Natur, indem sie zwei philosophische Gäste, Schülerder Stoa und des Pythagoras mit ihren Nymphen nnd ihrem Wein zuSchanden macht, trotz ihrer ereentrischen Moral, während sie mit ihrerleichtsinnigen den Reizungen der Sinnlichkeit widersteht; sie belehrt ihrengeliebten Zögling, daß das Anhängen an dem Systeme der Entbehrungund der Ideen aus solchen Lagen des Menschen natürlich fließt, wo ersich unglücklich fühlt, wo nicht frische Lebenskraft mehr ist. Diese Lehrensind der Kern des Buchs, das Lehrhafte hat das epische noch unterjocht,wir gehen erst von Fabel zu Fablian über, mit aller gellert'schen Manier,mit jener Geschwätzigkeit und jenen mäandrischen Reflerionsepisoden,die damals ein Hauptrciz schienen. Formell würde man nicht begreifen,wie nicht allein Lessing auch dieses Werk beifällig aufnahm, sondern wieselbst Göthe äußerte, eS habe ihm geschienen, als sei Griechenland inMusarion lebendig geworden. Durchaus hängt dieses Wohlgefallenmit der Loßreißung der Dichtung von der Moral zusammen, die durchWieland eingeleitet ward, obgleich sie bei ihm thatsächlich nicht aus demJoche der Philosopie heranStrat. Die Philosophie der Musarion heißtschon die der Grazien. Diese Geschöpfe selbst lernen wir (l769) ineinem nach ihnen betitelten halb prosaischen, halb versifieirtcn Stückekennen, in dem sich Wieland Gleim und Jacobi förmlich zur Seite, demGuarini und Geßner entgegensetzt. Er spottet über den zärtlichen Tonder Letzteren, erzählt aber hier selbst, in einer herben Mischung vonflanmenweichem Bortrag mit den Härten schlechter Späße und einemUcbergnß von modernem Firniß, die Geschichte der Grazien, wie sie erstihrer selbst unbewußt, dann ihrer Gottheit inne werden, die Reize derfeineren Geselligkeit nach Arkadien nnd unter die Menschheit tragen, inWissenschaft und Kunst, in Sitte und Tugend, wohin sie Wieland selbsttragen wollte. Ungemein charakterisirt dies ganze Merkchen und seineganze Ansicht von den Grazien unseren französirenden Dichter. DieGrazie ist im Reich des Schönen, was die Unschuld im Moralischen nnddie Naivctät im Intellektuellen, cs ist das Bewußtlose und der Natur-stand, und als solcher Erbeigenthum der Kinder, besonders der Mädchen;wie ein Kind, so lange der Begriff des Konventionellen ihm noch nichtbeigebracht ist, nichts Unverständiges sagen, nnd nichts Schuldvollesthun kann, so kann es auch keine ungraziöse Bewegung machen, selbstwo es das Unanständigste vornimmt. Die Grazie ist daher, wenn irgendetwas, angeboren; allein jenes vom Franzosenthnm verbildete Geschlecht,und darunter selbst Winckelmann, will sie gerade durch Ueberlegung,
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