248 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Andern, inkonsequent den Ernsten und Langsame», mondsüchtig denWeltleuten, Poet den Philosophen, Philosoph den Poeten, oberflächlichden Pedanten, den Mittelmäßigen lächerlich und vielleicht verächtlich,was weiß ich!
In seinen Werken bezeichnet diese Uebergangszeit seine Beschäfti-gung mit dem Epos und dem Drama. Auch auf ihn wirkte die allge-meine Aufregung in Deutschland durch den siebenjährigen Krieg so viel,daß er von seiner Lehr- und Andachtspoesie ans die thatsächliche zurück-kam, und sich an den zwei Hanptgattungen versuchte, um die sich derGeist der Zeit in sich selber stritt. Friedrich der Große beschäftigte ihnund führte ihn zu dem LieblingSbnch seiner Jugend, zur Cyropädie zu-rück, die er in ein Epos umbildcn wollte, um darin das Ideal einesKönigs zu zeichnen. Höchst charakteristisch für seine ganze folgendeSchriftstellern ist es, daß er grade auf dieses Buch fiel und ans den Ge-danken kam, einen Roman zu einem EpoS zu verwandeln, daß er daunin dem ganzen Zuge seiner Schriftstellerei auf dem philosophischen Ro-mane hängen blieb, nachdem er mit dem ersten epischen Versuche geschei-tert war, bis er zuletzt in der Zeit des höchsten Dichtnngstriebcs inDeutschland wieder einen Roman zum Epos zu erhöhen strebte, und mitdiesem im Gedächtuiß der Nation geblieben ist. Mit seinen fünf Probe-gesängen des Chrus (um >757), die überall au Klopstock und Tasso an-klingeu, hoffte er unstreitig die Wirkungen Klopstock's zu machen, nndals dies fehlschlug, ließ er das Epos fallen, und arbeitete nachher nurdie Episode Araspes und Panthea (1758) in einem dialogisieren Ro-mane aus, in dem schon die Gemüthsstimmnng herrscht, aus der sichnachher sein Agathon entwickelte. Nichts ist uns in diesen Dingen merk-würdig, als der Uebergang zur weltlichen Empfindsamkeit, den wir hierund ebenso in seinen Schauspielen fast zuerst in größerer Schärfe gemachtsehen. Wie es ihm nämlich mit seinem Epos mißlungen war, schrieb ergleichzeitig mit Cyrus die Johanna Gray und (1760) die Clementinavon Porreta. Sogleich deckte ihm aber Lessing die Schwäche seiner dra-matischen Kunst auf, indem er nachwies, daß er das erstere Stück demNicol. Rowe mit bodmerischer Freibeuterei abgenommen, in dem andernohne alles theatralische Geschick den Grandison von Richardson in Ge-spräche gebracht habe. Zugleich deutet er die Farbe dieser Stücke vor-trefflich an: die ätherische Sphäre, sagt er, scheine Wieland wieder ver-lassen zu haben, doch klebe noch allerhand au, was nach den Flügeln derMorgenröthe aussähe. Seine Personen seien fast lanter liebe frommeLeute; die Johanna Gray ein liebes frommes Mädchen, die Lady