und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 247
über die schönen Wissenschaften von Wieland gesagt, seine junge Musespiele wie die bodmer'sche die Betschwester und hülle sich der alten Wittwezu gefallen in ein altvaterisch Käppchen, das sie nicht kleide. Ihre ju-gentliche Unbedachtsamkeit leuchte unter der altklugen Miene hervor, undes würde ein merkwürdig Schauspiel sein, wenn sich diese junge Fröm-migkeitslehrerin wieder in eine muntere Modeschönheit verwandelte.Weiterhin hörten Lessing und die Literaturbriefe gar nicht auf, demjungen versprechenden Dichter ins Gewissen zu reden. Zum Glücke kamer schon 1754 von Zürich weg, erst nach Bern, wo neuer Umgang, na-mentlich mitBondeli ihn allmählich umstimmte. Diese höchst interessanteVeränderung verfolgt man Schritt auf Schritt in Wieland's Briefen anZimmermann. 1758 schreibt er diesem von einer kleinen Liebschaft undsagt dabei auf französisch, er sei nicht so arg platonisch, er fange an sichmit den Leuten dieser Niederwelt zu versöhnen; er theile nicht alle IdeenBodmer's und wünscht Uz nicht so hart behandelt zu haben. Uounghatte er noch zwei Jahre vorher neben die Engel gesetzt, aber jetzt machter sich nichts mehr aus ihm. Die Zeit sei vorbei, wo er Vergnügen anFeenmährchen und dem Leben der heiligen Therese gefunden; er habenicht mehr Lust, vor der Zeit in die unsichtbaren Sphären zu reisen. Erentzückt sich jetzt vielmehr an den Kleinigkeiten und Spielereien Vol-taire's; er geht vom Plato auf Xenophon über, und gar auf Anakreon,den ja Plato selbst einen Weisen genannt habe! Er wünscht, Zimmer-mann möge sich nicht an ihm ärgern, er wisse ja, daß die Ausdünstungenseiner Seele nur aus der Oberfläche kämen; sein Kopf schweife aus, seinHerz sei ein Gemisch von Größe und Schwäche. Woher er die Sachenin den Sympathien habe, wisse er jetzt selbst nicht mehr. Ueber Klopstocknrtheilt er jetzt ganz anders. Es sei doch schlau, so eine Welt vonEngeln zu schildern, die man müsse gelten lassen, weil wir zu ihrer Be-urtheilung keinen Maaßstab hätten. Die Messiade sei nicht für Engelund nicht für Menschen, wenigstens nicht für alle Unchristen, Papisten,Philosophen, die das Werk als ein Abenteuer betrachten müßten. Dabeibittet er aber, und als ob er sich schäme, alle schlechten Dinge deutsch zusagen, wieder auf französisch: äo ne PN8 1e compiomettro eu auounomauiöoo ->veo Uli. Ulopstoelr. 1759 kündigt er an, daß seine Philoso-phie die Maske der Thorheit nehmen werde, um dem Narren zu gefallenund den Weisen lachen zu machen; schon beschäftigt er sich mit Lurianund Shakespeare; von Bodmer wünscht er nicht mehr sprechen zu müssen.Ich fühle, sagt er, daß ich als ein wunderbarer, unbegreiflicher, räthsel-haster Mensch erscheinen mußte, fanatisch den Einen, heuchlerisch den