Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
244
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Z44 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

obscönen Gegensatz zu seiner petrarchischen Idealität in den üppigen Er-zählungen aus der Geschichte der aktäontischen Nachkommen (1784)wollte eben so wenig behagen wie seine Schwärmerei. In seinen Epi-steln dagegen ist er nicht allein am liebenswürdigsten, sondern auch sichselbst am meisten treu; und wie alle diese Freunde legt er hier geradeseine heitere Lebensphilosophie nieder. Von dem tiburtiner Weisen, dessenOden er spät noch übersetzte, indem er dabei deutscher zu sein strebte alsVoß und Schmidt in Gotha, von Gassendi's Epikur, von unserm Ana-kreon (Gleim) lernte auch Er diese Weisheit der Mäßigung, der Be-scheidung, der Freude, das oarpo äiem, das »il aämixaoi und was Allesdamit zusammenhängt. Geliebt zu sein von wenigen guten Seelen, dieunsere Schwächen nicht zu genau wägen, die Spuren der Natur zu su-chen, nicht hoch zu fliegen um nicht tief zu fallen, der Zufriedenheit dieerste Stelle unter den Tugenden zu geben, vor dem Niederfallen desVorhangs unseres Lebens nicht zu bangen und sich nicht darnach zu seh-nen, dies ist der Kern der Lehren in diesen Episteln, von denen der Dich-ter hofft, daß sie ihm die Grazien verzeihen werden, da sie nicht auf hoheDinge gerichtet, und nur von der freundlichen Erato eingegeben sind,die mehr Küsse als Lorbeeren zu gewinnen tauglich ist. Was seine Brieseallein vor den übrigen auszeichnet, ist ein Talent, höchst treffend diedichterischen Freunde zu charakterisiren. Wir haben oben bei Geliert einBeispiel gegeben und wollen weiterhin ein Paar Verse anführen, die erBürgern zuschrieb. Diese Gabe war bei ihm von seinem Freunde G. CH.F. Westphal (aus Quedlinburg) angeregt, der bis 1785 Prediger inHalberstadt war, und der (1779) Portraits in Theophrast's und LaBruyöre's Manier geschrieben hatte. Doch läuft dergleichen selten mitunter, im Ganzen herrscht in den Episteln derselbe lässige Ton einesMannes, dem Friede und Frohsinn Bedürfnis ist; der sich alles Harteund Schroffe, Voßens Auftreten gegen Stolberg z. B. so gut als seineharten Verse vom Leibe hält, obgleich er sonst Gleichgültigkeit gegen dasGeistliche und Psaffenhaß mit seinen Freunden theilt und Voßens reineHexameter in Virgil's Landbau hoch bewundert'. Das Ungeheuer: Ge-schichte des Tags, störte ihn nicht so sehr wie seine Freunde Gleim undNathanael Fischer; er studirte dann Astronomie und feierte ein Fest imHaus, wenn sein Söhnchen ein Lied von Spiegel oder Gleim auswen-dig wußte. Nach den Episteln tritt dann eine weitere Aenderung inSchmidt ein, die der letzten Periode Jacobi's analog ist. Er ward mitLafontaine bekannt, er trat in literarische Verbindung mit dem RektorFischer, der sich in vielerlei Schriften und Zeitblättern dem Streben nach