240 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Herder's Andeutung über die Winkclsachen bahnt uns den Weg zu einerdritten Periode Jacobi's, in der er sich unserm Interesse säst ganz ent-fremdet. Er ward 1784 nach Freiburg versetzt, und lebte nun im Kreisevon Schlosser in Emmendingen, Pfeffel in Colmar, dem von Götheverewigten Lerse, dem Freiherrn von Zink und einigen Andern, unterdenen sich die Epistelpoesie erneuerte. Es kam die Revolutionszeit, in dersich die Charaktere prüften, und hier zeigt sich Jacobi ganz wie Wielandals eine jener biegsamen Naturen, der kein Sturm etwas anhaben kann.Während seine Mitbürger wegen Näherung der Feinde in tiefer Bestür-zung sind, holt er frische Blumen in seine Gläser und macht ein Gedichtfertig; es war ihm leicht, den verzagenden Schlosser zu trösten, denn dieDinge der Zeit berührten ihn nicht. Pfeffel drängten sie sich näher, erlitt unter den Stürmen der Revolution, aber er setzte Gleichmuts) undGeduld dagegen. Hier erprobten sich diese horazisch-sokratischen Weisen,die Fröhlichkeit in Armuth, Glück in mittlerer Sphäre immer gepriesenhatten. Beide Freunde, Jacobi und Pfeffel, hatten sich wie Wieland inihre Schneckenhäuschen zurückgezogen und freuten sich wie dieser einesreichlichen Haussegens, und Pfeffel hatte bekanntlich das große Glück,gerade seit dem Unglück seiner Blindheit ein Weib zu besitzen, die dieStütze und Freude seines Lebens war. Jacobi wollte gern ans Nach-ruhm verzichten, wohl aber mochte er, da er dem Völkchen der Erde im-mer gut war, noch im Grabe den Menschen nahe sein und ihnen erzäh-len, welch schönes Loos ihm siel durch häuslich Glück, durch Weib undKind, durch mäßigen Genuß. Das häusliche Glück dieser Männer spie-gelt sich so in ihren Gedichten letzter Periode reichlich ab, aber auch ganzdie Dürftigkeit ihres poetischen Talents. Hier haben wir wieder eineganz mechanische Gelegenheitsdichterei; die Wochenblatt- und Stadt-poeten, die gegen das 19. Jahrh. hin sich über ganz Deutschland aus-dehnten, werden gleichsam von ihnen eingeführt. Pfeffel fand es dochnoch einmal ein bischen bedenklich und vielleicht beschämend, den „Poe-ten im Dorf" zu machen, aber Jacobi vertheidigte es geradezu in aus-drücklichen Aufsätzen; man mache sich beliebt und Andere freundlich da-mit. Aber die Musen macht man eben nicht so freundlich und die cnt-
gehabt; empfing cr gar laute Bewunderung, hörte er Seufzer, so zerstoß er ganz insanften Empfindungen und war der Sklave der Schönheit, die so gut empfand. Erschien etwas abgeschmackt, doch war er das unschädlichste Geschöpfchen unter der Sonne,zu allen guten Eigenschaften fähig, zu denen nicht Stärke des Geistes erfordert ward,denn die Poesie hatte ihn so breiweich gemacht, daß er einer herzhaften That unfähigwar" u. st w.