u. weltlichen Moral, ». d. Kritik. — Preußens Theilnahme rc. 239
geßner'schen) Wieland. Man ist in Cppern, bei einem Bildhauer undseiner Geliebten, die sich dem Dienst der himmlischen Venus weihen undder Grazien, und die nachher vermählt eine Schule der Grazien anlegenund darin Mävchen in verschiedenen Rangstufen bildeten. Eben diesward hinfort sein eignes Geschäft. Indem er sich znm Thema der Frauenund Franenlicbe wandte unv Wielanv am Werke der Emanripativn derFrauen arbeitete, sah er sich genöthigt, auf die sittliche und ästhetischeBildung derselben zu wirken, und zu diesem Zwecke stiftete er ein Ta-schenbuch für Damen, die Iris (1774-76). Je mehr in den 70er Jah-ren die Kraft des Originalgenies, die Jaeobi wie Pfeffel haßte und Cy-klopen nannte, vorstrebte und amazonenmäßige Sitten den Schönen ein-prägte, desto nachdrücklicher lehnte sich Jaeobi, mit seinem mehr weibli-chen Charakter ganz hierzu geschaffen, auf die Gegenseite und redete zudem zarten Geschlecht in seinen Liedern und prosaischen Aufsätzen ineinem widerlich süßen Tone, der auch seines Freundes Pfeffel prosaischeVersuche (meist in der Flora) durchdringt. Mit Recht wendet man sichvon dieser durch Verfeinerung der Sitten sittenverderblichen Schriftstel-lerei ab, die selbst dem verzärtelten Geschmack eines Geßner zu verzuckertwar. Herder sprach t") mit Unwillen über die Halberstädter Liebesbrief-chen, die nur die Herzen der Weiblein Haschen sollten, und die ihm soabscheulich sind, wie alle billets «le oonkessio» unter Herrnhutern undKatholiken. In jedem Schritte Jacobi's sei so viel liebliche Frechheit,eine Winkelsache immer zur Sache des Publikums und eine Litanei vonEmpfindungsnamen zur Liturgie zu machen; auch habe man das guteMännlein schon längst so ansgehört. So machte sich Nicolai im Sebal-duS über ihn lustig '^), und Göthe nannte ihn ein kindisches Ding.
130) In Briefen an Merck.
IZ>) Die Stelle ist vortrefflich, aber sehr empfindlich beleidigend. „Herr Säug-ling" heißt es „hatte kein eigentliches Brodstudium getrieben, er legte sich auf die bol-I«8 lottros, studirte alle Poeten, besonders die Freude und Wein und Liebe besungenhaben» Er hielt dabei viel von seiner eignen kleinen Person, die daher stets geputzt undgeschniegelt war. Er gefiel fich dadurch selbst sehr Wohl, und suchte nächst dem beson-ders dem Frauenzimmer zu gefallen, daher er Gesellschaften von blos Mannspersonenmied. In gewissen Gesellschaften saß er allemal einem Frauenzimmer zur Seite, be-wunderte ihre Arbeit und sagte ihr artige Sachen. Von da ging er zur Erforschungihres Verstandes über; sagte ihr mit sanftlispelnder Stimme, er sehe Amoretten aufihrem Postillon ans- und absteigen und andere dergleichen niedliche Jmaginatiönchen.Symyathiflrte sie mit seinen lieblichen Empfindungen, so fing er an zu stammeln undetwas schafmäßig anszusehcn und langte dann aus der Tasche einige seiner Gedichte,die er ihr vorlas. Erhielt er Gehör und Beifall, so hatte er ein vergnügtes Tagwerk