u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens Theilncchme rc. 241
fernten Leser nicht so erkenntlich, wenn man sich in die Demuth einesKochs versetzt, Thurmwächterlieder macht, Beilagen zu geschenkte» Häub-chen drucken läßt, und erzählt, wie Lottchen streitet, daß sein Geburts-tag mit Karl's ans Einen Tag falle. Opitz hatte die Gelegenheitsge-dichte seiner Vorfahren verachtet, Jaeobi verachtete die von Opitz, undwir vergelten es ihm heute, indem wir die Seinen belachen. Es ist un-säglich, wie hier der Rückschritt unsrer Poesie, in der Zeit, wo dieKotzebue und Jffland Dichter hießen, klar daliegt in Einem Subjekte,das sich wahrlich nicht in der glänzendsten Richtung früher hervorge-than hatte. Wer sollte eS glauben, daß der feine Jaeobi, nachdem erMat-thisson's und Schiller's Gedichten mancherlei abgelernt hatte, nach Gö-the's Abtreten, im 19. Jahrh. noch derer spottet, die da glaubten, erstjetzt strahlte der Lorbeer in einem Glanz, der den Ruhm des Opitz undHagedorn verdunkle!! Die dem Pindar näher gekommen seien als diemeisten unserer neuesten Dichter!! So was konnte nur eine so gleich-machende Natur sagen, der Alles recht war, was von ihr und Andernausging, und der auch in der Poesie Alles gefiel, Jeremiaden und Jlia-den, die Chronica von Liliput und Hermann's Schlacht und das Har-fenspiel des kühnen Gelten. Auch aus dem Unmusikalischen in dieserSchule läßt sich die Sympathie mit dem musiklosen Opitz und die Rück-kehr zu Gottsched's Gelegenheitspoesie herleiten. Wie diese Anakreon-tiker in Allem der klopstock'schen Schule gegenüber liegen, so auch hierin,daß sie ihr musikalisches Gehör nicht theilen. Bei Gleim vermißteGöthe die Melodie; wie unmusikalisch Jaeobi ist, kann man in seinenKantaten am leichtesten sehen; wie der verwandte Wieland an der Operscheiterte, ist bekannt genug.
So wie wir Jaeobi in späte Zeiten hineinleben, in andere Verhält-nisse übergehen und andere Gattungen anbauen sehen, so auch KlamerEberh. Karl Schmidt (1746—1824): wir müssen ihn aber hier nen-nen, in der Zeit, wo sein Talent am wirksamsten und natürlichsten thä-tig war. Er gehört schon darum am wesentlichsten hierher, weil er selbstaus Halberstadt war, und mit seiner Jugend in Gleim's Blüthezeitfiel, so daß er schon mit Mitschülern auf der Schule dichtete und unterdem Beifall seines Vaters. Später heirathcte er in eine Familie (Abel),wo sein Schwager und Schwiegervater dichtete, und er vererbte dasDichtungstalent auf seinen früh gestorbenen Sohn Ernst; er kann alsoneben der Familie Unzer das beste Beispiel von dem familiären Poeste-talent der Halberstädter und dieser Umgegend geben. Er hatte vonGleim das Freundschaftsbedürfniß geerbt und die Verswnth; ganz so
Gcr». d. Dicht. IV. Bd. 16