u. wcltl. Moral, II. d. Kritik. — Preußens Theilnahiue !c. 235
man, daß, wenn er länger gelebt hätte, er mit Heinse zn jener neuenSchule würde übergegangcn sein, und daß er sich zum Satiriker würdegebildet haben. Daß er nicht mit den Jarobi, Schmidt und Göckingknach der entgegengesetzten Seite gegangen sein würde, erklärt er sästselbst, wo er andeutet, wie wenig das Erotische seine Sache sei. „Einkleines Gespräch zwischen der Taube der Venus und Jupiters Adler"sagt er Jarobi „das er einmal einem Franzosen nachschwatzte, und einigeflüchtige Reime, die nur unter seinem dramatischen Hokuspokus zu einerOperette umgezaubert ihm zur Last liegen, daß ist Summa SummarumAlles" was er in dieser Art gemacht hat.
Die ausschließend friedliche Seite der Anakreontiker und Grazien-dichter auf der Höhe und Spitze der Weichlichkeit und Süßlichkeit zeigtJoh. Georg Jacob! (aus Düsseldorf 1740—1814). Wenn Gleim alsein Guido Reni bald in harter bald in weicher Manier austritt, so istJarobi ganz Albano, ganz Carlo Dolre. Gleim und Wieland gabenihm den Ruhm der weichen Behandlung unserer Sprache anheim unddas Verdienst, der französischen Glätte, und selbst dem musikalischenInstinkt des Metastasio nahe gekommen zu sein; seine Lieder an Eliseschienen ihnen Petrarcha's beste Gesänge zu erreichen, ohne sie nachzuah-men. Alles kam diesen Petrarchisteu damals auf den Fluß, die Harmo-nie, den Schmelz, das Cantabile der Versifikation an, und Wieland be-sonders ist so maaßlos in den Lobsprüchen, die er dem Manne, den erspäter gering achtete, in's Gesicht sagt, daß ihm oft der Athem auSzuge-hen scheint. Gleim bildet sich etwas darauf ein, daß er Jarobi aus demHandlangerdienst des Rerensirens für Klotz gerettet, daß er ihn der Dich-tung gewann, in der ihn sonst vielleicht die hochwürdigen Pastoren ge-stört hätten. In den ersten Gedichten Jacobi's ist Alles voll von demKriege der Amoretten, und dem Liebäugeln mit Plato, dem Lieblings-Philosophen der Grazien und Auroren, voll von arkadischen und mytho-logischen Figuren und Tändeleien und jener sanften epikureischen Weis-heit, die er an Hagedorn und an den französischen Lyrikern bewunderte,die diesem und ihnen Muster waren, an den Chapelle, la Fare, Pelifson,Gresset, Desmarets, Bernard, Arnaud und wie alle die Anakreontiker derFranzosen hießen, die dem I. Baptiste Rousseau so entgegen liegen, wieunsere Halberstädter Ramlern. Jarobi kam zwar selbst in der Theoriezurück von dem, der übergoldete Schnörkel für Tempelban der Grazienhält, der die drei Holden nach pariser Puppen drechselt, und sich mitbunten Füttern gepuderter Schäfer behängt, aber in der PrariS blieb erdiesem Geschmacke so ziemlich treu. Er unterdrückte ein gutes Theil sei-