234 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Erzählung Paros und Hyle sieht, die ganz auf tragische und heftige Ein-drücke ausgeht, oder aus seiner Probe zu einer travestirten Aeneis, dieBlumauer aufgriff. Durchaus eigen ist ihm die Laune, die in dergleichenherrscht. In der fünften seiner Episteln"') erzählt er uns von derLaune, die ihren Sitz im Monde hat. Sie sei ein Mittelding zwischenGrazie und Faun. Wenn wir später zu den Naturdichtern wie Heinse,Lenz, Maler Müller und Achnlichen übergehen, so werden wir finden,daß diese sich ganz wie Faunen zu den halbcrstädtec Grazien verhalten;und ganz in der richtigen Mitte zwischen Beiden liegt Michaelis. Erwürde hierher kaum gehören, wenn er nicht die Gattung der horazischcnoder popischen Epistel gleichsam gegründet hätte, die in unserem Halber-städter Bunde zu Hause ist. Schon in seinen „Einzelnen Gedichten"(I7G.I) kamen solche Briefe vor; die etwas später erschienenen (1772)gehören immer noch unter die frühesten in diesem Kreise, und sie sindunter allen die einzigen geblieben, die nicht als Privatmittheilungund Ersatz für Briesprosa entstanden, sondern als Gedichte. Darin siehtman ihn deutlich nur erst als Grenzstein gegen die Naturdichter undShakespeare's Schule hin liegen, und übereinstimmen mit dem Sinneder Halberstädter, die diesen shakespearischen Genies gram waren, daßer (in der charakteristischen Epistel VI. von Erziehung des Dichters) dieRegel lobt, den Anfänger vor Shakespeare warnt, und die griechischeKunst als das höchste Beispiel aufstellt"^). Aber sieht man genauer zu,was er doch an die Natur verlangt und die Geburtsgaben seines Dich-ters, und wie er von Shakespeare und den Griechen sprach, so ahnt
>27) In den poetische» Werken, Hrsg. ». Ehr. H. Schund. 1780.
>28) Ein Shakespeare, Freund, taugt für den Schüler nicht,sein Leben war so kühn wie sein Gedicht.
Der kleinste Zug bleibt auf dem Jüngling hasten,er wird z» groß für kleine Wissenschaften,und steht zu spät, es glücklich zu bereun,für große sich im Alter einst zu klein.
Ach die Natur ist blos ein Buch für Götter,auch das Genie »ersteht nur halbe Blatter,nur Aberwitz »erachtet Fleiß und Lehre». —
Den höchsten Reiz enthüllte die Naturfür Griechenland. Da nahm ihn die Skulpturund grub ihn ein. Nun lebt er, übergebender Ewigkeit, sein unverwelklich Leben.
Man muß hierbei auch wohl erwägen, daß er selbst in seiner Jugend die Schulenicht ertrug und es früh zu bereuen hatte.