Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
230
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Z3tz Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

obwohl Schmidt und Göckingk uns kein günstiges Zeugniß von dempoetischen Geschmack in Halberstadt geben"'), und keine rechte Fruchtaus diesem etwas einförmigen Verkehre bervorging als die Reimfertig-keit, die nach Körte noch heut in Halberstadt dauern soll. Gewiß istwenigstens Gleim's Leben und Wicken wichtiger als seine Gedichte,seine Geschichte beschäftigt uns daher auch mehr als seine WerkeGleim bezog alle seine Gedichte auf seine Freunde, er schrieb nicht fürKrittler, wie er sagte, sondern für Uz die scherzhaften Lieder, für Kleistdie Fabeln, für Lessing die Kriegslieder, Halladat für Heinse. SeineLeier ersaug ihm keinen König, aber einen Kleist. Mit diesem lebte erauch nach dessen Tode im Geiste fort, er wähnte seinen Geist in seinerNähe, und glaubte, er würde sich ihm zu erkennen geben, wenn es seinkönnte; seine Nichte lehrte er in Allem dem Engel Kleist wohlgefälligwerden. In dem Andenken des todten Freundes konnte er zufriedenschwelgen, und dies war seiner ungeduldigen, zwar friedlichen aber reiz-baren Natur am wohlthuendsten. Die Lebenden machten ihm viele Sor-gen, er aber auch ihnen. Er war eifersüchtig auf seine Freunde, dieFreundschaft war bei ihm Enthusiasmus, wie sein Patriotismus uudseine Liebe zu Friedrich, sie ward zur Leidenschaft wie bei Klopstock dieReligion, sie ward eine Kunst und Wissenschaft bei ihm, wie bei Wie-land die Ehe. Die Frcundschaftsperiode hat in ihm ihre Krisis; Müllerund Bonstetten sind nur noch ein Paar Nachzügler, von denen der El-ftere auch noch in Gleim's genaue Bekanntschaft gehört. Wie, dieserüberhaupt nichts Halbes that und ertrug"'), so am wenigsten in der

122) In Göckingk'S Gedichten 1780. I, 102:

Was träumtest du von Halberstadt? daß hier Athen im Kleinen sei?

Geh hin du Freund der Schwärmerei, ob Kleist dort 15 Leser hat!

Der Hunger hätte da geheim Michälis sicher aufgezehrt,

Wenn nicht die Freundschaft seines Gleim des Tigers Zahne noch gewehrt.

123) Sollte ich ihm unrecht thun, so entschuldige er dies selbst. Werke Bd. V.p. 256.

Ich war ein guter Mann; und wär' ich etwas mehr gewesen,

als nur ein guter Mann, ein Etwas nur, so soll

man etwas mehr doch nicht aus meinem Grabstein lesen,

weil etwas mehr zum Lobe wohl

nicht strenge Wahrheit wär.

121) Schon Klopstock prieS früh in Gleim

seinen brennenden Durst, Freunden ein Freund zu sein;wie er auf das Verdienst deß, den er liebet, stolz,edel stolz ist, von halbemkaltem Lobe beleidiget.