Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
226
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226 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

sem Kreise neben der Briefsammluug von Lange (1769) hervorgebrachthat. Die Freundin Karsch schrieb es selbst an Gleim nicht ohne Biller-keil, daß darin doch zn viele Küsse ausgcthcilt würden, als daß dieseGeistesvereinignng dem Gespötte entgehen könne. Dieser verliebte Tonherrschte übrigens schon in den 40er Jahren in den Briefen Langen'smit Gleim und Waser, Meyer's mit andern Zürichern u. s. f., und dieBriefe Waser's unter andern wetteifern mit allen übrigen an läppischerZärtlichkeit und Tändelei. Lange und seine Doris, diedeutsche Ana-krcon", werden in diesem Kreise geehrt, genannt und gekannt wie Cleve-land und Pamela, und die richardson'schc Empfindsamkeit erhielt sichvon Halle aus genährt unter Pedanten und Philosophen, bis sie vonder porik'schen in den 60er Jahren abgelöst ward. Der Fceundschafts-enthusiasmus blickte in diesem Kreise verächtlich auf alle herab, die sichüber ihre Zärtlichkeit kaltsinnig wundern. In den 60er Jahren nun wareine Zeit der Briefwuth gekommen, die vor der Fragmentenperiode her-geht, und die vortrefflich den werdenden Charakter der Unmittelbarkeit inunserer Literatur ankündigt. Man legte jetzt ohne Scheu die innerenhäuslichen und HerzenSzustände der Welt vor; und dies auszubrciten,war Gleim ganz geschaffen, der arglos in die Welt hineiulebte, der indem weiten Kreise seiner Freunde nichts als Lob und Schmeichelei undDank zu hören und zu geben gewöhnt war, was man denn gern ver-öffentlicht sehen mochte. Dazu lebte er ganz in Briefen, und selbst vonFreunden zuletzt umgeben, konnte es nicht ohne schriftliche Mitthcilun-gen abgehen. Seit den 60er Jahren erschienen nicht allein eine Unzahlvon Zeitschriften, deren wir oben einige genannt haben, unter dem Titelvon Briefen, nicht allein ward der Mittelpunkt der Halberstädter Poesiedie Epistel, sondern auch die Privatbriefe von Gleim, von Klotz, vonBoysen an Gleim, von Schirach, der auch unter Koch's und Klvtzen'sBekanntschaft gehörte, von Lange, der Frau Gottsched und zahllosenAndern wurden ans Licht gegeben, und eröffneten eine ganz neue Quellefür die Geschichte der Literatur. Gleim'ö glücklichste Zeit begann nun,als er mit seinem Jacobi persönlich verbunden war; er saun auf Stellenfür Klotz, Riedel, Uz, Meusel und Herder; ein junger Schlag wuchs inHalberstadt selber auf; Klamer Schmidt, der Feldprediger Jähnö, San-gerhausen"^), der jüngere Gleim, Michaelis saudcn sich znsammeu, vondenen Jahns und Michaelis 1772 schon starben. Dafür kam in diesemJahre Wilhelm Heinse, von Wieland empfohlen, dessen Feuerkopf für

119) Briefe inVersen, 1771; leicht versificirt; im gewöhnliche» Jacobische» Stile-