224 Wiedergeburt der Dichtung uutcr den Einflüssen der religiösen
Dichter zu sein, daß man sich mit seiner Dichtung das Leben erheiternkönne, lernte er Glennen genau ab. Michaelis meinte, man könneGleim nicht denken, ohne in die Versuchung zu fallen, nach Kräftendichten zu wollen. So warf Gleim die inneren Hemmungen des Ta-lents bei den Einen nieder, bei vielen Anderen aber die äußeren. Dieuneigennützige Bereitwilligkeit ist bewundernswerth, mit der er durchdas ganze Jahrhundert zahllose Beweise seines Eifers gegeben hat, jungenaufstrebenden Geistern die Last der Armuth zu erleichtern; Ramler, Snlzcr,die Karschin, Bürger, Heinse, Michaelis, Kleuker, Jean Paul, Seumeund wie viele Andere dankten ihm Aemter oder Unterstützung; in Hallewar kein armer Student, der sich nicht an ihn wandte, und cs sollen sichin seinem Nachlasse unzählige Briefe dorther gefunden haben, die allemit Bitten und Klagen, mit Dank und Freude gefüllt waren. Kleiststeckte er mit dieser Aufopfernngswuth an, der sein bischen Armuth mitLessing und Ramler thcilen, und seine kleine Muse zu Erwerben fürBeide verwenden wollte. Gleim war der Meinung, daß ans der JugendAlles zu machen wäre, und in seinem Kopfe gährten die wunderbarstenIdeen, was er nicht Alles ans ihr machen wollte. Wäre er seinesFriedrich's Mäeenas gewesen, vermaß er sich, ein Jahrhundert wie An-gnst's und Lndwig's XIV. zu stiften. Es war unter den Gährnngen dessiebenjährigen Kriegs auch eine Projektenwuth in die Köpfe gefahren.Von ihr gibt Basedow das auffallendste Beispiel; in Bezug ans Poesiemüßte Gleim neben ihm genannt werden. Plane zur Unterstützung armerGelehrten, Plane zur Beförderung einer Uebersctznng des Homer, Planezu Denkmälern für alle großen Deutschen, alles Mögliche dieser Artkreuzte sich in seinem Kopfe, bei Allem sah er nur die Möglichkeit undLeichtigkeit der Verwirklichung. Wir wollen eine Akademie stiften, schrieber 1708 anJaeobi"°), deren Mitglieder dem Verdienst Verehrer werbensollen; Jeder dieser Verehrer soll jährlich etwas in eine Kasse steuern,ans der allen großen Männern ein Denkmal von Marmor errichtet wer-den soll; Leibnitz, Wolf, Thomasius, die beiden Banmgartcn, Hage-dorn, Kleist, Meinhard, Pyra sollen zuerst so begraben werden. Wiehier die Todtcn so wollte er die berühmten lebenden Dichter gern ineinem parnassischen Bunde vereint sehen. Er war es, der ko freigebigseine Freunde auf dem Parnaß mit großen Titeln begabte; sein Klopstockhieß ihm Homer, sein Michaelis Juvenal, Lesstng Sophokles, Uz Pin-dar, Ramler Horaz u. s. w-, manche Stelle wußte er zweimal zu bc-
Ilb) Briefe von Gleim und Jacobi. 1778. i>. 231.