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4 (1853)
Entstehung
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222
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222 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

höchste Dichtungöart, weil ihre Art Gedanken und Empfindungen ans-zudrücken poetischer ist, als der epische und übrige Vortrag. Die Oper,obgleich sie in Wirklichkeit das Niedrigste sei, könnte das Größte undWichtigste alles Schauspielwesens werden! Wie hier ungefähr Klopstockaus ihm redet, so in seinem Eifer gegen dasUngeziefer" der Anakreon-tisten Bodmer, der noch 1709 sein Merkchen über die Grazien des Klei-nen ausgab, und darin seinen alten Freund Gleim selbst nicht schonte.In Schilderung der Liebe sollen die Dichter vorsichtig sein, ein Weh wirddem Jüngling zngerufen, der nichts kennt, als das Gefühl zu lieben undgeliebt zu werden; Bodmer habe durch gesetzte Gottesfurcht die Liebeder Noachiden vor überwältigender Kraft geschützt. Lustige Lieder werdenkaum statthaft gefunden; ehe man einBrüder laßt uns lustig sein"singt, solle man wenigstensBrüder laßt uns redlich und fleißig sein"gesungen haben! Gegen die lachende und spottende Komödie wird alsedlerer Stoff jene gesetzt, die ohne Lachen durch anmuthige Gemäldeergötzt, und Plantns und Moliöre werden da am trefflichsten gefunden,wo sie ernsthaft gewesen! Hier hören wir Cramer reden. Damit aberja keine elende Autorität unserer bisherigen Kritik fehle, so spricht hierund da auch Gottsched. Sonderbar genug vereint der Mann mit seinerKlopstockffchen Empfindsamkeit die Verstandestrockenheit des LeipzigerKritikers. Er wollte die beiden Vermögen des Menschen, Verstand undsittliches Gefühl, ans deren Entwickelung, nach ihm, das Glück des ge-sellschaftlichen Lebens begründet werden muß, wie es scheint, gleich-mäßig in sich selbst entwickeln. Er verbindet also die systematische Phi-losophie mit der musikalischen Empfindung in sich; er kann sich nichtsErhabeneres denken als das leibnitz-wolf'sche System, er nimmt daherauch das Lehrgedicht in Schutz, und ermahnt Wieland zu dieser Gattungzurückzukehren, und dem Leibnitz zu werden, was Luerez dem Epikur war.So erinnert auch das besonders an Gottsched, daß er eine allgemeinephilosophische Grammatik empfahl, welche Regeln gäbe, nach denen dieVollkommenheit einer Sprache beurtheilt werden müßte, und daß er ansjene Klassieität, auf Verbannung von Idiotismen und dergleichen drang,was sogar Bodmer einst angefochten hatte. Der Gipfel seiner ästhetischenKritik ist, daß er in dem sittlichen Gefühl, dem Quell der Dichtung, dasMoralische und Aesthetische zusammen begreift. Der letzte Endzweck derKünste geht auf Erweckung moralischer Gefühle; feineres Gefühl unterdem ansehnlichsten Thcil der Nation zu erwecken, ist sein angelegenesBestreben, weil er mit diesem die Künste zu befördern hofft, und mit denKünsten das ganze öffentliche Leben zu bilden. Hierin ist er ganz Re-