n. weltlichen Moral, u. der Kritik. — Preußens Theilnahme re. 221
bezeichnet zwischen den kritischen Rationalisten nnd Sensualisten, zwischenwelchen hindurch sich die Männer um Göthe herum Platz schafften. Ernimmt in der schweizer Literatur die Stelle des universaleren Kopfesein, die Lessing bei uns anöfüllte; in Pädagogik, Naturkunde und Ma-thematik umgctrieben, blieb er spät auf den Künsten hängen, und regi-strirtc in seiner allgemeinen Theorie der schönen Künste, zu der er langeunter vielen Zerstreuungen sammelte und mit der er des Lacombe äie-lioiiiiaii'o dos beaux arts zu überflügeln strebte. Alles, was aus der Kritik,der Poesie und der Malerei seiner Züricher Freunde folgte. Nicht alleinblieb er auf den meisten Theorien Bodmer's und Breitinger's (wie vondem Neuen, der Fabel u. A.) hängen, in einigem ging er vielleicht wie-der zurück; er führt noch 1771 Opitz an und eifert gegen Hans Sachs!Er nimmt sich wie Opitz des Regelnwesenö an, indem er zugleich wiedieser von der Begeisterung des Dichters und seiner vernünftigen Ra-serei, an der er nie Erfahrung gemacht hat, faselt; er will mit seinemBuch die Künstler lehren, w i e sie sich in diese Begeisterung setzen sollen.Zugleich will er den Philosophen mancherlei ins Ohr sagen; und ersagt dies in einem Tone deö Dünkels, wie Bodmer weder von seinerPoesie noch Kritik, wie höchstens Gottsched von seinen kritischen Tro-phäen sprach. Batteur und Baumgarten sind seine ästhetischen Autori-täten, Lcssing wird kaum in dem dickleibigen Buche genannt; Bodmerund Klopstock sind seine poetischen Ideale, und die Noachide, zu derenEmpfehlung er ein besonderes Buch geschrieben hatte, noch mehr als derMessias. Rousseau und Dante bewunderte er der musikalischen oderseraphischen Verwandtschaft wegen, obleich er den Letzteren nicht zu ver-stehen bekennt; Homer würde nach ihm mit Vergnügen den Bodmer imHeldengedicht neben sich, und Theokrit in Einer Hinsicht den Geßnerüber sich, in jeder neben sich erkannt haben. Hier kehren wir also ganzzu Gottsched's Manier zurück, das Große herabzureißen, das Elendeemporzuheben; man thnt es, indem man meint, mit dem Schönpfläster-chen der Empfindung und der Moral die ästhetische Häßlichkeit zu ent-schuldige». Die Theorien Klopstock's von pathologischer und musikalischerDichtung sind hier ganz eingegangen""); der Grund des poetischenGenies wird in „ungewöhnlicher Fühlbarkeit der Seele" gesucht, und inden lebendigen Gefühlen des Dichters; das Höchste ist, wo des Dichterseigenes Herz zu dem Herzen des Lesers redet. Die Ode ist daher die
115) Die beiden Artikel Kunst und Empfindung sind besonders aufschlußreichüber die ganze Theorie Snlzer'S.