Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
219
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u. weltlichen Moral, n. d. Kritik. Preußens Theilnahme ic. 219

Er, wie Moses, wie Garve, wie Hamann und hundert Andere, gab demHange nach, sich mit nichts Bestimmten zu beschäftigen. Wie Abbt zwi-schen Metaphysik, Geschichte, Moral und Politik schwankt, wirbt ihnMoses für die Philosophie des Menschen, ein vages Feld, das wiederdemselben Schwanken Raum ließ. Auch Er also flieht in dieser Unsicher-heit die Schnlphilvsophie,die immer ihre eigne Logik citirt und dcßhalbimmer Recht behalten muß," wie eine Pest. Er hält es mit Bayle, demHasser aller Systeme, er folgt dem Zuge der Zeit, die, nachdem Wolf'SPhilosophie zum Modeartikel geworden war"^), sich ganz von der Phi-losophie abwandte und die Liebe zur systematischen Erkcnntniß fallenließ, seitdemdie Bekanntschaft mit den Ausländern stärker ward unddie Dichtkunst mit Erwerbung eines schnellen Ruhms Vielen schmei-chelte""^). Dieser eigenthümlichen Auflehnung gegen die Schule, die-sem unmittelbaren Leben, diesem praktischerem Takte haben wir in seinerweiteren Verbreitung die ganze Regeneration unserer Literatur zu danken.Was im Kleinen jeden Tag vor uns geschieht, geschah dort im Leben derNation. Die Schule hatte bisher Tausende geirrt, und wir hatten dahermassenweise unsere Poeten in ganz falschem Berufe wirken und nachEiner Richtung irre gehen sehen; jetzt da jeder der Natur und derNeigung folgte, gingen die Einzelnen in der ersten Unsicherheit auchnoch fehl, jedoch nach vielen Richtungen, und die Kräftigeren fandensich endlich zurecht; es trennten sich die Wege, es schieden sich die vielfachverschmolzenen Künste und Wissenschaften rein ab, und jede fand ihreeigenen und angemessenen Pfleger. Indem die Wege der Bildung sichnun theilten, kreuzten sie sich auch, und dieselben Männer, die unter dieseGattung der Philosophieverächter und Fragmentisten zusammensallen,stehen sich auf's grellste oft in ihren Tendenzen entgegen. Schon in derStellung Hamann's gegen die Berliner, die wir später nachholen, kün-digt sich der nachherige große Bruch zwischen Verstand und Phantasie,zwischen Anhängern des Alten und Neuen, Reformern und Revolutio-nairen, Aufklärern und Frommen an. Die Verfasser der Literaturbriefemachten schon reine Partei für die Sache des gesunden Menschenver-stands. Abbt sah die Phisosophie nur dafür gut an, daß sie die Dingedes gemeinen Lebens solle richtig beurtheilen helfen, was ihr das An-sehen des gesunden Menschenverstands geben würde; er empfiehlt dengesunden Menschenverstand überall, er sucht ihn in der Poesie und wünscht,

11Z) Vgl. den 2U. Lit. Brief.

>14) Worte Abbt'S in seinem Schriftchen über Baumgarten.