216 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
die Autodidaris, die Entfernung von der Schnlphilosvphie hervor, weilauch er jener Empirie anhing, die das Leben einfach anfchauen mochteund auf eigne Anschauung eigne Philosophie gründen. Die Schulphilo-sophie, sagt er, hat stets das Verdienst, nach angenommenen Grund-sätzen Alles, wornach der Mensch fragen kann, in einer beliebigen Ord-nung, unter bestimmten Rubriken vorzutragen. Sie wich jetzt, undMancher dachte nun, er habe so viel gute» Sinn von Natur, um sichvon den Gegenständen einen deutlichen Begriff zu machen, ohne sich gradeum das Entfernteste mühsam zu kümmern. Der so geübte Menschenver-stand wagte es dann, auch in das Allgemeine zu gehen und über innereund äußere Erfahrungen abzusprechen und dies drang in alle Fächer ein.Dies charakterisirt die Litcraturbricfe und ihre Verfasser erschöpfend.Sie stehen am Anfang jener großen Gruppe der Fragmentisten, die Les-sing eröffnet und Herder fortsührt, die im 7. 8. und 9. Jahrzehnt zuungeheurer Verbreitung kamen, nicht mehr Polyhistoren im alten Sinneder Bildung, sondern Pansophen, wie Herder unterscheidet, der so gernein neuer Leibnitz zu werden strebte, und der, wie er zuerst mit Frag-menten auftrat, so auch nachher die umfangreichsten und kolossalsten, undfast überall Fragmente geliefert, eben dadurch aber ungeheure Anregunggebracht hat. Alle jene Sturz, Lichtenberg, Hamann, Merck, Jacobi,Möser und was ihnen befreundet und befeindet war, traten unter dieseEine Klasse von Männern zusammen, die von der Schulphilosophie sowenig wissen wollten, wie zuerst diese Berliner, die mehr oder wenigerganz unfruchtbare Schriftsteller und negative Gelehrte waren, die daherlieber den Begriff einer Lebensphilosophie in die Nation warfen, und dieWeltwcisheit wie Sokrateö auf den Menschen bezogen, und unter denendaher Moses zuerst mit dem Namen des deutschen Sokrates begrüßtwurde. Eben dies setzt diese Berliner mit den Halberstädter Dichtern inVerbindung, deren gemeinsame poetische Aufgabe ein System heitererLebeuSphilosophie war, und mit Wieland, der dies am meisten ausbil-dete, und der eigentlich von den Literaturbriefen bekehrt ward. Denn wirbegreifen nun, warum diese jene finstere Religionsmoral ebenso verwar-fen, wie die wölfische Philosophie; warum sie Moser, Cramer, denbvdmerischen Wieland und Dusch so entschieden angriffen, wie Gottschedund seine elenden Geschöpfe, warum sie Rousseau bei Seite schoben undShakespeare empfahlen, die Vergötterung Youngs belachten, und lieberdie leichte phantasievolle Poesie des Südens rühmten, die eben Meiir-hardt's Versuch über die italienischen Dichter neu einführte; warum sieWithof, der um der Religion Platz zu machen alle menschliche Weisheit