u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens Theilnahme !t. 213
den nächsten, die durch die Literaturbriefe veranlaßt waren; am wenig-sten von der allgemeinen Bibliothek, die uns jene thörichte Universalitätder Kritik eröffnet«:, bei der entweder Gründlichkeit oder Folgerichtigkeit,und gewöhnlich Beides verloren geht. Wie ist es auch möglich, das eineund das andere bei einer Zahl von Mitarbeitern, die in die Hundertgeht, zu bewahren? An den Litcraturbriefen aber waren lauter Leuteeinerlei Schlages thätig, die einerlei Richtung festzuhalten fähig waren.Hier leitete Nirolai ein vortrefflicher Takt. Er selbst war ein Mann desLebens, nicht der Wissenschaft; das Studium des Menschen war ihmein natürliches Bcdürfniß, und selbst späterhin, wo ihn seine mäcena-tische Stellung zu mancherlei Voreiligkeiten hinriß, läßt sich ihm glück-liche Beobachtungsgabe, eindringliche Menscheukenntniß und ein stetsgleicher Trieb nach Wahrheit nicht absprechen. Er gesellte sich Men-delssohn, der gleichfalls Kaufmann und gleichfalls kein systematischerGelehrter war. Wie wenig Lessing und Abbt aus dem Ruhme systema-tischer Gelehrter machten, ist allbekannt; Beide waren weltkluge Leute,nur daß der Eine es zu sein und zu scheinen verschmähte, während derAndere in Bückeburg bei dem Grafen Wilhelm Gelegenheit hatte, seinhierhin einschlagendes Talent zu üben. Auch Resewitz (aus Berlin1725—1806) war ein feiner Weltmann, in den Künsten des Umgangsbewandert; als Prediger, Schriftsteller und Pädagoge stets auf dasPraktische gerichtet, sosehr, daß er in letzterer Beziehung den Rnf derallklassischen Schule in Klosterbergen, an der er auf die Breithaupt undSteinmetz als Rektor folgte, herunterbrachte, weil er in seinen pädago-gischen Theorien der praktischen Richtung Basedow's zu viel uachgab.Diese Eigenthümlichkeit nun des mehr praktischen Talents gab nichtallein den Literaturbriefen, sondern auch dem was diese Männer sonstschrieben, einen Charakter der Unmittelbarkeit, der Verwandtschaft zwi-schen Leben und Schriststellcrei, die wir überhaupt von dem lebensvollenverjüngten preußischen Staate, und wie schon bisher deutlich gewordenist, von dem 7jährigen Kriege angeregt finden. Und daher kam cs, daßsich Herder an die Literaturbriefe schloß, der zuerst mit dem edlen Unge-stüm auftrat, das dem Selbstgefühl und der Unmittelbarkeit des Wirkenseigen ist. Daher sind von den Literaturbriefen die Briefe über Merkwür-digkeiten der deutschen Literatur von Gerstenberg u. A., die Briefe überden Werth einiger deutscher Dichter, und weiterhin der Ton aller jenerübermüthigen Züricher, Frankfurter, Desiauer und anderer Blätter ange-regt, die das neue Leben der Originalgenies verkündeten. Daher hebtGöthe an Mendelssohn so sehr dies Vertrauen auf das eigne Wissen,