Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
212
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Z12 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

kennen, daß Friedrich's Gegensatz gegen die deutsche Literatur dieser mehrnützte, als ihr sein angelegentlichster Schutz je hätte nützen können.Sein Schutz hätte nicht halb so viel gespornt, als, da er ihn entzog, derEifer ihm zu trotzen. Friedrichs Acußerung an Mirabean:Welchengrößeren Vortheil hätte ich der deutschen Literatur thun können, als daßich mich nicht um sie kümmerte?" hat daher den vielfachen Sinn, daß erihren Ehrgeiz stachelte, daß er ihr freie Presse gewährte und ihr keinegezwungene Richtung gab, daß er hier sein Volk deutsch und selbständigließ. Wir haben gesehen, wie panegyrisch die Poeten und Barden sichan ihn drängten: die kleinste Handreichung von ihm oder Joseph hätteunsere Dichtkunst in Fesseln geschlagen, während sie jetzt frei ans demVolke wuchs, wie Alles was wir in Religion, in Knust, in Wissenschaft,selbst im Staate unser nennen. Er hätte uns mit leichter Mühe in denfranzösischen Geschmack zurückgeleitet, auö dem jetzt Alles mit Machtherausstrebte. Die Niederlassung französischer Bildung mitten im Her-zen von Deutschland verursachte, wie später die Invasion, den Gegen-stoß, der grade von Berlin zuerst ausging. War cs doch so weit gekom-men, daß die Franzosen selbst, daß ein Prcmontval über die Gallomanieder Deutschen schreiben mußte! Die Mitarbeiter an den Litcramrbriefenin Berlin machten zuerst eine systematische Opposition gegen das Ansehender französischen Literatur. Die Wirksamkeit dieser hat in der Literaturdas meiste Aehnliche mit den politischen Erscheinungen des 7jährigenKriegs. Sie setzten sich im Geiste des preußischen Königs gegen alleFinsterniß und übertriebene Religiosität; sie warfen das Ansehn dersächsischen Literatur eben so völlig nieder, wie der König das sächsischeLand; und schlugen wie dieser die Franzosen auf eine ganz unverhoffteWeise aus dem Feld.

Hier sind wir in dem Gebiete der Kritik, in dem die preußischeLiteratur von sehr großer Bedeutung geworden ist, was wir sogar schonbei Ramler unter den herrschenden Umständen nicht verkennen konnten.Neben ihm ist der Buchhändler Friedrich Nicolai (aus Berlin 17331811) eine durchaus merkwürdige Erscheinung in der preußische» Lite-ratur. An seine Person und seinen Unternehmungsgeist knüpft sicheigentlich die ganze Anstalt des kritischen Journalismus in Deutschlandau. Was vor den Blättern lag, die von ihm ausgingcn, war fast Allesmehr oder weniger mit den moralisirendcn Wochenschriften verwandt;und es ist für den ganzen Charakter der poetischen Literatur seit den 70erJahren bedeutsam, daß Nicolai von Lessing geleitet anfing, schon durchdie äußere Einrichtung seiner Zeitschriften auf die Trennung von Sitten-