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4 (1853)
Entstehung
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206
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206 Wiedergeburt der Dichrung unter den Einflüssen der religiösen

schien für die vaterländische Dichtung, die Klopstock im Auge hatte,durch Ossian neue Nahrung zu kommen. Die Bardendichter setzten sich,wie Kretschmann, entschieden gegen die untikisirende Poesie und dieneuen Horaze; sie empfahlen den Gebrauch der alten und veraltetenVolkssprache, sie wollten die Bardeupoesie brauchen, um den Vorwurf,daß wir keine Nationalität hätten, von unS abzuwenden; sie setzten dasFeuer der Empfindung und Leidenschaft in diesen alten Naturdichtern ge-gen die leichte Wasserblase des französischen Witzeö. Der Bardennamefing an eine Ehre zu werden; wie Gleim und Ramlcr Alles gräcisirten,so teutonisirtcn diese alle Verhältnisse und Personen: Klopstock hießWerdomar, Kretschmann Rhingulph, Denis Sined; Gleim war derBardenführer der Brennenheere, Ramler Friedrich's Barde, Weiße derOberbarde der Pleiße. Einer der frühesten Gesänge in Ossian's Tonwar Kretschmann'ö Rhingulph, fünf Lieder über die Varusschlacht, unddie Klage; an sie schloß sich gleich Klopstock's Hermannsschlacht (1760)an, deren Widmung an Joseph allgemein mit patriotischen Begeisterun-gen füllte. Gleim begrüßte dafür den göttlichen Sänger und wünschteKaiser zu sein, um dieses Bardiett aufführen zu lassen mit den Kostendes peloponnesischen Kriegs: eine Million für die Probe! Allein allediese Dinge hatten keinen Körper und für das Volk in keinerlei Weiseeinen Reiz. Die Verbindung mit dem Norden brachte uns das Unheil,daß man uns mit Gewalt in die teutonische Urzeit zurückzaubern wollte;eS war als stecke jener Boden mit dieser Manie an, denn so hatte schonSchlegel in Kopenhagen einen Hermann gedichtet und der Kapellmeister' Scheibe daselbst ein Singspiel Thusnelde (1740). Man setzt uns hierin eine Welt zurück und unter Figuren, die nur aus Fülle der Körper-kraft handeln und gegen Nöthigungen, uns, die wir mit Geisteskräftenund nach Grundsätzen uns bewegen; wir hatten so wenig Verhältnißzu diesen kriegerischen Gestalten, wie zu den friedlichen der geßner'schenIdylle. Das hat Göthe bei der Wahl seines Götz ganz vortrefflich ge-fühlt, daß unsere Urzeit in der Reformationsperiode zu suchen ist, wokörperliche und geistige Kräfte nebeneinander, die leidenschaftliche phy-sische Gewalt eines Urgeschlcchts neben den Anfängen jener Kultur liegt,an deren Vollendung wir noch arbeiten ^). Noch dazu ist uns jene

105) Göthe schrieb 1760 an Friederike Oeser über den Rhingulph unter Anderem:„Gott sei Dank, daß wir Friede haben, zu was das Kriegsgeschrei? Ja wenn s eineDichtungsart wäre, wo viel Reichthum an Bildern, Sentiments oder sonst was läge.—Aber nichts als ein ewig Gedonnere der Schlacht, die Glut die im Muth aus den Au-