Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
207
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u. weltlichen Moral, II. d. Kritik. — Preußens Theilncchme N'. 20?

frühere Welt durch geschichtliche Überlieferung nicht klar; eS gelangaber diesen Dichtern nicht, mit zweckmäßigen Handlungen diese Faß-lichkeit in der Poesie herzustellen durch die Kraft der Phantasie. InKlopstock's bardischer Trilogie von Hermann reden die Helden immervon ihren Thaten, von denen man nichts sieht, in großwortigem Pompe;sie machen, hat man gesagt, so viele Worte davon, daß sie wenig Wortemachen. Ihre Redeweise dazu ist eine ganz unerhörte, und wer dieseDinge nüchtern ansah, nahm das größte Aergerniß daran DerselbeFüßli, den wir oben so grob schweizerisch über den Messias und dieHymnen hatten urtheilen hören, urtheilt nicht anders über die Bar-diette. „Was Klopstock's Vaterlandspoesie betrifft, sagt er, so nehme ichHermann und Thusnelde und die beiden Musen ans und sage noch ein-mal: hole sie der Teufel. Es wäre ebenso leicht, der Synagoge denTalmud zu erklären, als die glasorischen Locken der Enherion auseinan-derzulesen." Und allerdings machte es die Anstrengung nach dieser neuenSprechart Klopstock noch unmöglicher, als es ihm schon an und für sichsein mußte, die Figuren seiner Bardiette gehörig zu umschreiben. Dieübrigen ohnehin haben viel zu wenig Gabe, sich nur in den Ton solcheralten Gesänge zu versetzen, geschweige in die Verhältnisse alter Zeiten.Kretschmann ist unter ihnen ein durchaus prosaischer Gelegenheitspoet,an dessen elenden Gedichten und Epigrammen und Lustspielen man lei-der nur zu deutlich sieht, wie große Armuth sich hinter diesen dithyram-bischen Versen versteckte; bei ihm erkennt man noch den gleichmäßigenAusgang der Bardendichtung von Gleim und Ossian. Hier wird nochnicht der altväterisch moderne Ton verleugnet, den zu verbannen nocham ersten Hoffnung ward durch diese Dichtung, die sich in den Anfän-

gen blitzt, der goldne Huf, mit Blut bespritzt, der Helm mit dem Federbusch, der Speer,ein paar Dutzend ungeheure Hyperbeln, ein ewiges ha! ah! Wenn der Vers nicht vollwerden will, und wenn'S lang währt, die Monotonie des Sylbenmaaßes, das ist zu-sammen nicht auSzustehn! — Und was geht mich der Sieg der Teutschen an, daß ichdas Frohlocken mit anhören soll, ah ! das kann ich selbst. Macht mich was empfinden,was ich nicht gefühlt, was denken, was ich nicht gedacht habe, und ich will euch loben«— Wenn Ossian im Geiste seiner Zeit singt, so brauche ich gern CommentarS, sein Co-stum zu erklären; nur wenn neuere Dichter sich den Kopfzerbrechen, ihr Gedicht im al-ten Gusto zu machen , daß ich mir den Kopf zerbrechen soll, es in die neu« Sprache zuübersetzen, das will mir meine Laune nicht erlauben."

lüü) „Es ist ein kaltes, herzloses, ja fratzenhaftes Produkt, ohne Anschauung fürden Sinn, ohne Leben und Wahrheit, und die paar rührenden Situationen, die es ent-hält, find mit einer Gefühllosigkeit und Kälte behandelt, daß man indignirt wird.

Schiller.