194 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
vergleicht. Alles ist hier nachgcahmt und erlernt, schwach und geschmack-los, Alles soll im antiken Kleide erscheinen, und diese „gemachten Ge-fühle, die aus der Bewunderung und dem Wohlgefallen an den Altenfließen", die Anlehnung und Abhängigkeit von Horaz hat Ramler aufseinen Schüler Blum (aus Rabenau), bei dem sie Göthe lästig fiel, undauf viel spätere märkische Dichter, wie Stägemann, vererbt. So wieRamler die kleinen Häuslichkeiten des deutschen Stubenlebens, vielhochtrabender als Boß, in antikem Tone bespricht, die geröstete Fruchtdes arabischen Kaffeebaumes trinkt, während ein blaues Ambrosia-wölkchen die Stirn'umwirbelt, wie er bei Einweihung eines Kaminsden Vulkan besingt und bei dem Tod einer Wachtel eine Nänie anstimmt,so meint er mit bloßer Einkleidung in Mythologie und Allegorie poe-tische Form gewonnen zu haben; und nach jener Übeln Sitte, nach derman Friedrich den Großen in eine antike Statue bilden wollte, nach derRamler's Freund Rode damals die Siege Friedrich's unter der Allegorieder Arbeiten des Herkules darstellte, gab Ramler selbst damals Denk-münzen an, und führte Orte und Personen unter alten Namen auf:Berlin ist Athen, die Kaserne ein Tempel des Mars, der König Her-kules, Daun der östreichische Fabius u. s. f. Seine Oden sind oft ganzüber horazische Risse geformt: seine Concordia ist eine Nachahmung vonHorazens Ode an das Glück; die an den Arzt folgt der horazischen anden Weinknaben und andere wieder anderen. Seine Uebersehungen derhorazischen Oden sind allerdings von Vielen später benutzt, aber auchvon Vielen übertroffen worden. So wie diese schläfrig und selbst metrischsehr nachlässig sind^), so haben seine eigenen nichts von der Kühnheit,um die er die Lateiner beneidete, und der Klopstock so keck nachstrebte;seine ganz Kunst besteht darin, daß er lange Perioden in seinem schwie-rigen Maaße in so natürlicher Folge bindet, daß ausgelöst eine einfacheProsa daraus wirl>o°). Alles steckt er voll Allegorien, die oft in Dingen
95) Man darf nur aufschlagen, wo man will. Z. B. vergleiche man mit VoßenSIlebersetzung das:
Welch ein Jammer, wenn man weder sich der Liebe Spiel erlauben — u. s. f.
96) Poetische Werke Hrsg. v. Göcking. 1800. Zur Probe: I, 211.
Schntzgeist, fitze nächtlich am Haupte junger Gekrönten; zeige diesem den gol-denen Fallstrick, den ihm ein Sklav eines benachbarten Königs legte; nimm jenemden Nebel von dem Gesicht, daß er die redlichen Weisen sehe, von denen er lerne,Bündnisse klug schließen und unverrückt halten, Schätze des Staats und seinerBürger zugleich mehren, den Ueberflnß in die prächtig erweiterten Städte bringen,und Macht, Freiheit und Sicherheit in das völkerbesuchte Land. — Man sieht wohl,