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4 (1853)
Entstehung
Seite
193
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u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. Preußens Theilnahine re. 193

schast war dies vortrefflich. Damals als Lange und Pyra, Gleim undJaeobi, Lessing mit Ramler oder Moses, Götz mit Uz und Andere mitAndern in Einerlei Werk als Zwillingsdichter und poetische Oreste undPylade Arm in Arm gingen, tauschte man friedlich, in demselben kriti-schen Eifer wie die Bremer Beiträger, seine Arbeiten aus, tadelte undlobte, und nahm das Eine willig ans, und das Andere nicht übel.Ramler war in seinem Lobe karg und ward es immer mehr, je mehr dieAnderen ihm ihre Gedichte überließen. Uz nahm seine Verbesserungenmit Freuden an, Götz dankte ihm innig, daß er sich seiner Kinder er-barmte, Kleist, Kuh, Nieolai, die Karschin, Lessing und Weiße ließenihn in ihren Merkchen gewähren, und es ist keine Frage, daß er mit sei-nem rhythmischen Feingefühle die altmodischen Unebenheiten oft tilgte,und also unter diesen Poeten eine wahre Antorit war, in einer Zeit, wo(wie Voß mit einem Stich auf Herder sagt) diedieser besonnenen Dich-tung ungünstige Poetik der 70er Jahre noch nicht begonnen hatte, daein talentvoller Mann kühnen Wurf und ersten Guß in poetischer Prosazu empfehlen und in prosaischer Poesie auszuüben begann." Geßnerhielt Ramler's Kritik nicht aus, und schrieb dann in Bodmer's Schule,der in seiner nachlässigen Nachahmerei der reinste Gegensatz zu Ramlerist; es ist gewiß keine Frage, daß ihm Ramler sehr gut gcthan habenwürde. Aber hier zeigten sich schon die Gegensätze zwischen Berlin undZürich. Mit der Zeit ward dann Ramler anmaßender; seine Personward ganz Ziererei und Eigenliebe; seine Dichtungen sprachen, mit Pin-dar's Worten, von den goldenen Pfeilen, die ihm im Köcher klirrten;seine Kritik ward schärfer und unduldsamer und machte ihm Feinde.Lichtwcr's Fabeln gab er verbessert ohne dessen Vorwissen heraus, wasdiesem äußerst beschwerlich, obwohl nicht ohne Nutzen war. Weil Men-delssohn ihm seine Psalmen nicht dnrchzusehen gab, nannte sie Ramler ineinem Lobgedichte ans denselben von kälterer Sprache. Weil Gleimweiterhin stets weicher und empfindlicher wurde, die spitzen Ausstellun-gen Ramler's nicht mehr ertrug, zuletzt nur Bosheit und Herzlosigkeit inseinen Briefen sah, und als jener seiner freundschaftlichen Tyrannei nichtnachgab, ihm aufkündigte, so überging Ramler dafür in seinem Batteurdie Kriegslicdcr mit Schweigen und lobte dafür die schlechten Amazonen-licder des willigeren Weiße. So bildeten sich Gegner, die es dann mitSchadenfreude aufnehmen mochten, als Chodowiecky den todten Kleistim Sarge abbildete, wie ihn Ramler rasirte. Nichts ist charakteristischerfür die Poesien dieser Zeit, als wenn man die oft feinen Einzelnheitender Verbesserungen Ramler's mit seinen eigenen Gedichten im Großen

Gcw. d, Dicht. IV. Bd. 13