u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens Thcilnahmc re. 18!)
die kritischen Theorien seiner Züricher Freunde auf die Spitze stellte,mußte vor den Literaturbriefen weichen. Wie sehr übrigens die empfind-same Stimmung, die durch Klopstock erregt worden war, diese sämmt-lichen vorübergehenden kräftigeren Hebungen in der Nation überflügelte,(so weit wie nur immer jener Dichter die Erzeugnisse, die aus diesen her-vorgegangen waren), das beweist, daß sich die preußische Dichtung inHalberstadt aus dem frohen anakreontischen Tone in einen süßlich senti-mentalen nmgestaltetc; daß Gleim von den Volksliedern und Kriegs-gcsängen zu läppischen freundschaftlichen Episteln und zuHalladatzürück-ging, und auch dadurch mit Bodnier und Klopstock ansgesöhnt ward.Diese Andeutungen nun werden uns den Faden durch unsere nächstenErörterungeil darbieten.
Was zuerst den allgemeinen Charakter preußischer Literatur angeht,so ist schon der Eingang französischer Bildung an dem Hof, die Grün-dung einer französischen Akademie und einer Zufluchtsstätte für fremdeLiteraten, die von Seiten des literarischen Geschmacks ganz französischeFärbung des sonst so deutschen Charakters Friedrich's des Großen,äußerst bezeichnend für das Vcrftandeswesen, das die ganze preußischeLiteratur beherrscht. Was wir von der Poesie des deutschen Nordensüberhaupt bemerkt haben, gilt im 17. Jahrh. von der sächsisch-schlesischen,im 18. aber von der preußischen um so vorzüglicher, als sie in diesemhelleren Jahrhundert umfassender und massenhafter hcrvortritt, als diesonstige nordische Dichtung bisher. Sie bewegt sich zwischen Musik undPhilosophie, zwischen Empfindung und Verstand; einen eigentlichenwahrhaft schöpferischen Dichter von vorstrebendcr Größe hat Preußentrotz der lebendigsten Theiluahme an unserer neuen Literatur nicht gehabt.Es ist daher eigen, daß kein Dichter und kein Historiker Friedrich denGroßen anziehen konnte, daß dagegen Wolf's Philosophie entschiedenenEinfluß ans seine Bildung gehabt, hat, und daß er mit deutschen Musi-kern stets umgeben war. In der Geschichte der preußischen Theologie,einer Wissenschaft, die so entschieden zwischen Empfindung und Verstandsich theilen kann, sind auch diese beiden Gegensätze stets zu finden. Baldnach der Reformation haben wir in Königsberg die empfindungsvollstenLieder neben den heftigsten und thörichtstcn Kontroversen; in den Zeiten,worin wir stehen, , finden wir die Pflege kirchlicher Musik neben den Be-strebungen jener Sack und Spaltung, Jerusalem und Anderer, die, demfreigeistigen Könige gegenübcrgcstellt, vor Allem trachteten, die Religion„von Unverstand zu säubern und dem gemeinen Menschenverstand be-greiflich zu machen," und dies artete nachher in jene dürre Nüchternheit