Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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188
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188 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

gehetzt, auf dem Uz in seinem Sieg des Liebesgottes stichelte. DieZüricher Freimüthigen Nachrichten erklärten ihm den Krieg darüber;Dusch, der sich mit den Schweizern setzen wollte, die ihn bisher schlechtbehandelt, machte es in seinen vermischten Schriften (1758) nach. Auchihn fertigte Nz ab und er konnte sich jetzt schon auf die neue berlinerund leipziger Kritik berufen, die sich seiner entschieden gegen dieseFrömmler annahm, auf die Briefe über den jetzigen Zustand der Literaturvon Nicolai, die Bibliothek der schönen Wissenschaften von Weiße unddie Literaturbriefe.

Von hier aus nämlich bereitete sich jetzt für die zürichcr Kritikerdasselbe Schicksal, das sie früher den leipziger» bereitet hatten, undBodmer zerfiel deßhalb mit Lessing und Weiße, eine Zeitlang auch mitGleim, und es bildeten sich Gegensätze zwischen Ramler und Sicher, dievorher in Eintracht gewirkt hatten. Alles waren Folgen dieses Kriegsgegen die Anakreontiker, deren sich Lessiug und Weiße in Theorie undPraxis annahmen, und auf deren Seite die berliner Literaturbriefe ent-schieden gegen die seraphischen Dichter traten. Das verständige Prinzip,das hier von den Redaktoren Abbt, Mendelssohn, Nicolai, Lessiug undRamler gegen die Kopenhagener und Züricher und deren Ueberschweng-lichkeit verfochten ward, läßt uns aus eine Art Reaktion gegen dieUeber-macht des Empfiuduugswesen blicken; und dieser Kampf ist ein natür-licher Vorläufer der nachherigeu heftigen Streitigkeiten zwischen Nicolaiund Lavater. Wie sehr verschieden nämlich die Farbe der neuen preußi-schen Literatur von der der schweizerischen ist, und wie nothwendig dieseVerschiedenheit einen Zusammenstoß herbeiführen mußte, leuchtet aufden ersten Blick ein, den man auf die durchaus trockene und verständigeRichtung in Preußen wirft, nachdem man die reizbare Stimmung in derSchweiz kennen gelernt hat. Stellt man die Erzeugnisse Ramler's gegenBodmer's, so hat man das sprechendste Beispiel dieses Gegensatzes.Dazu kamen dann die durchaus verschiedenen Verhältnisse. Ein patrio-tischer Wetteifer in einem monarchisch regierten Volke stellt sich gegen dieuniversellere Nebenbuhlerei der Schweizer. Eine kriegerische große Zeiterhöhte die kräftige Stimmung der preußischen Nation, als gerade dieSchweizer eine beschauliche Richtung genommen hatten, und es ist dahersehr bezeichnend, daß sich an Preußen angelehnt vorübergehend die krie-gerische Bardeudichtung der weichen idyllischen des Geßner entgegenstellte.Wie endlich die republikanische Redefreiheit früher der schweizerischenKritik Kraft und Nachdruck gegeben hatte, so geschah es mit der berliner,die sich der größten Ungebundenheit zu erfreuen hatte, und Sulzer, der