u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens Thcilnahmc rc. 187
zu sein" ist dieser unschuldige Epikureismus zum System gerundet. DerGlückseligkeit Wesen ist die Lust; die Kunst, sich zu erfreuen, ist für unsdie Kunst glücklich zn sein, und diesen Satz hält er in einer Parabel denneuen Andächtlern vor, die diese Kunst nicht kennen. Er lehrt dann dasVergnügen nicht im Sinnlichen suchen, sondern in den reineren Freudender Tugend und Wahrheit; die Freuden, die sich die Seele denkendschafft, sind die Grazien, die dem Weisen allein lachen, seine Einsam-keit schmücken, seine Muse adeln. Zärtliche sinnliche Gefühle entehrenuns nicht; der uns die Sinne gab, will nicht mürrisch die Menschheitzerstören; aber man muß die Lust der Sinne mit Geschmack genießenund mit Fassung entbehren lernen. Diese Standhaftigkeit, die niederenGüter verachten, den Schmerz lindern, den Tod ertragen zu können,wird schließlich sogar mit dem Uebergang in christliche Weisheit gelehrt.
Welche doppelte Thorheit war es von Bodmer und besonders vonWieland, diese fromme Heiterkeit mit fanatischem Eifer zu verfolgen,die noch (1751) im Kriton von ihnen gelobt worden war, und die Wie-land in ihrem ganzen Umfang nachher weit ausbildete; welche Thorheitvon dem letzteren, diese Dichtung der Grazien zu beschmutzen, die er baldmit komischem Eifer auszuschmücken strebte. Welcher Unsinn, diese Män-ner mit dem Schimpfnamen von Ungeziefer zu belegen, und sie in EineKlasse mit den schmutzigen Dichtern der Nachtigall, der Brautnacht'^)und der unzüchtigen Schäfergedichte (Rost'ö) zusammenzuwerfen, undmit diesem letzteren zn verdammen, der noch dazu das einzige deutscheVorbild war, von dem Wieland die Sprache der Schlüpfrigkeit gelernthaben konnte. Nichts hat daher Wieland später so sehr bereut, als diesenAngriff auf Uz, der sein Liebling ward, und nichts hat dieser so übelempfunden und so lange nachgetragen. In einem poetischen Briefe anGleim spottet er daher bitter über den schwachen Geist, der die Grazienvon dem Parnasse jagen wollte, über den finsteren Kopf, dem Schwer-muth Tugend schien und Niemand weise dünkte, als wer immer weint.Auch Uzens Freunv, Cronegk, griff Wielanden heftig in seinen Gedichtenan. Uebrigens war dieser eben so wie auch Dusch durch Bodmer auf-
Nur an der weisen Wollust Brust. Der Wollust weihe deine Leier
Bloß diese Mutter wahrer Lust Beseelt ein Lied mit achtem Reiz und Feuer. —
Der Weise kann das Glück betrügen, Auch wahres Nebel fühlt er kaum,
Und macht sich's leicht und macht eg znm Vergnügen»
93) S. Rost's vermischte Gedichte. I7K9. Die Nachtigall ist in der hier ange-führten Sammlung gedruckt und Rost zugeschrieben; sie ist aber von einem anderen,berliner Dichter, eine freie Nebersetzung eines Stückes von Lafontaine.