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4 (1853)
Entstehung
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186
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186 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

auch Feinde der Tugend seien""). In denLiedern," wo er uns in dienieder» Lebenskreise von Bürgern, Bauern, Bettlern fuhrt, ist Alles vonFrühling, Jugend, Wein und Küssen belebt, er führt uns ans der Hir-tenwelt in die angrenzenden Sphären unseres wirklichen Lebens, undpreist Landleben, Mittelstand, Zufriedenheit, die Mittelpunkte der weisenBescheidenheit des Horaz. Aehnlich ist es mit Götz"'); seine Lieder, indenen Herder eine Daktyliothek von lieblichen, zierlich gefaßten Liedernfand, stellen jene Philosophie der Freude und der Gemächlichkeit mehrlyrisch dar, als daß sie sie didaktisch lehren. Auch seine Wünsche gehendie Mittelstraße, auch seine Theorie der Glückseligkeit sucht dieses Zieldurch Bescheidung zu erreichen; das Vergnügen verfolgen, heißt ihm esfliehen, durch bloße Empfindungen zieht man es nach. Im kleinen Dorf-palast macht ihn Zufriedenheit und Ruhe mit keuschem Scherz vcrschwi-stert zum König. Auch Uz's Lieder bringen diesen harmlos fröhlichenSinn zum Anschanen; allein sie gaben auch der nackten Lehre deutlichereWorte, und fanden damit näheren Eingang; sie schlossen sich auch engerund auffallender, als Hagedorn, an Horazcns Lehre an. Mit geheimerZierde, singt er an Horaz, vergnügst du den feineren Geist; sieh aus dreiFreunde nieder, die dir flehen; sie glühen, die Muse deiner Lieder inihrem Reize zu sehen. Dem Meister ähnlich gibt der Schüler zu em-pfinden, was die Philosophie mühsam lehrt, und gewinnt dadurchden Verstand; er lehrt den Mnth und die Standhaftigkeit des Weisen,der das Nebel in Vergnügen verkehrt; Freude, Frieden, Natur und Früh-ling und die sanften Genüsse stiller Herzen singt er, und die Luft ist ihmwie Horaz der Quell der ächten Dichtung"'). In seinerKunst fröhlich

90) Die Seele seiner Moral liegt in den bekannten Versen:

Unschuldige Jugend, dir sei es bewußt, nur Feinde der Tugend sind Feinde

der Lnsi.

Ja Jugend und Freude sind ewig verwandt, es knüpfet sie Beide ein himm-lisches Band;

ein reines Gewissen, ein ehrliches Herz macht munter zu Küssen und Tänzen

und Scherz.

Diese Stelle steht in den Werken hrSg. v. Körte I. p. 145. Zu einer historischenBenrtheilnng Gleim'S muß man übrigens auf die Originalausgaben zmückgehen, diezum Thcil sehr selten geworden sind.

91) GötzenS Gedichte sind in der Ausgabe von Ramler 1785 von dessen kritischerFeile zugerichtet, freilich nach des Dichters ausdrücklichem Willen.

92) Uz poetische Werke 1768. I. 100.

Horaz trinkt Chier Wein und jauchzt bei seinem Weine,

Sein ewiger Gesang ertönt in Tiburs Haine