Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
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180
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180 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen

mitgearbeitet hat, die einzige Patriarchade, zu der sich Wieland bekannte,obwohl ihm sein Freund, wie er sagt, mehrere Kinder dieser Art vor dieThür gelegt habe. In den Sympathien (1754) erreichte die frommeWuth Wieland's ihre Spitze. Es sind dies Warnungen, Ermahnungen,Visionen, Predigten an sympathetische Seelen, die gemahnt werden, dieWelt mit den Augen des Christen anzusehcn. Weise sein, selbst in derBlüte des Lebens, wenn jede Ader nach Vergnügen lechzt, wenn tausendSirenen die leichtsinnige Seele an ihre Ufer laden, dies ist ein Triumphfür die Seraphim. Gegen Gleim und Uz richtet sich eine gehässige Po-lemik. Die Grazien (die er selbst später zu Dienerinnen der Wollustmachte) sollen Aufwärterinnen der Weisheit sein. Ovid höre nicht aufabscheulich zu sein, weil er reizend ist, lehrt er hier, und that später nachder Lehre des Gegentheils. Auch die Religion und Tugend habe ihreGrazien; nachher aber suchte er sie geflissentlich an Lastern und Schwä-chen heraus. Ein frommer Alter habe der miöbrauchten Dichtkunst denrechten Namen gegeben: Wein der Teufel, womit sie die unbesonnenenSeelen berauschen. Die wollüstigen Weisen, die in lydischen Tönen zuWeichlichkeit und zum Schlummer am Busen der Venus einladen, sol-len die Worte bei sich gelten lassen: daß die Musen nie schöner sind,denn als Dienerinnen der Tugend: oder ihr Witz soll zu Wasser wer-den, die Feder lauter geistlose Reime und platte Gedanken Hervorbrin-gen, die Leier gähnen, wenn sie scherzen. Dieser Fluch ist auf Wieland'sHaupt ein wenig zurückfallcn, als er einige Jahre später plötzlich zu die-sen angefochtenen Dichtern der Grazien überging, und die Verbrechen,,die er hier an diesen anakreontischen Dichtern rügt, überbot. Er gingnoch weiter. Er gab Empfindungen eines Christen (1755), drei Psal-men in Prosa, heraus (die übrigens heterodor gefunden wurden), unddie er mit einer Vorrede an Sack begleitete, worin er diesen ausforderte,der Unordnung zu steuern, die gewisse leichtsinnige Anbeter der Venusund des Bachus anrichteten, und er bezeichnet deutlich unter diesen die lyri-schen Gedichte von Uz. Bodmer hetzte ihn gegen diesen, weil ihn Uz sei-ner Anglomanie und seiner langweiligen Epopöen wegen verspottet hatte.Die Polemik aber, die ihm Uz entgegensetzte, der Spott der Literatur-briefe, die Sättigung und Entfernung von Bodmer, und die Mahnun-gen der eignen Natur begannen jetzt nach dieser höchsten Anspannungdes heiligen Eifers eine Abspannung herbeizusühren, die gegen das Endedes 6. Jahrzehnts Wieland plötzlich zum Abfall von den seraphischenDichtern brachte. Er wandte sich geradezu auf die Seite der angefoch-tenen Dichter der Grazien herüber, als deren Schlußstein er so erscheint,