Druckschrift 
4 (1853)
Entstehung
Seite
179
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u. wcltl. Moral, II. d. Kritik. Christl. Dicht, nach Klopstock. 119

sich nicht mehr mit Boeeaz und Lafontaine beschmutzen, verurthcilte denLeichtsinn (!) der Bremer Bei träger und der Anakreontiker, erwendet denaffenmäßigen und flüchtigen Nationalcharakter der Franzo-sen" den Rücken, und zieht sich zu Milton und zu Uoung, der auch ihmjetzt unmittelbar an die Engel grenzt! Er schrieb 1752 seinen Antiovid,in dem er die schäferliche Liebe besang, die später so viel Spott von ihmerfuhr, und den Crebillon verdammte, den er nachher nachahmte. Als erin Zürich sich aufhielt, liebte er, nach Zimmermann's Erzählung, einMädchen, dem er nach vierjähriger Bekanntschaft zum erstenmale dieHand küßte. Er las jetzt Klopstock, und meinte Alles ausgesprochen inihm zu finden, was er immer selbst gefühlt hatte, und dieselbe Bemer-kung machte er über der Lektüre des Plato. Er schrieb einen Frühling inHexametern, in dem er sich Kleist näherte; dann moralische, oder besserempfindsame Erzählungen (1852), die uns in die Unschuldswelt, unterEinfalt und schöne Natur versetzen, wo noch die Rehe mit Pardeln spie-len. Hier wetteifert er mit Thomson und seinem Geßner; glaubt mitihnen an die goldne Zeit,deren mächtige Wahrheit noch jetzt in denTagen trübster Hefe auf jede menschliche Seele wirkt, wo ihm die Töch-ter der Natur lächeln, die Bodmer uns so liebenswerth als den erstenFrühling der Vorwelt zeigt." Bei all diesem ätherischen Hauch aber istdoch eine gewisse wollustathmcnde Atmosphäre hier, in der man ahnt,diese Gabe der lockenden Schilderung könnte sich leicht einmal anderswohin verirren. Dies witterten die Literaturbriefe, die Feinde aller un-natürlichen Verstiegenheit vortrefflich aus, und sie luden Wieland zeitigein, sich wieder aus diesen Sphären zur Erde herabzulassen. In ebendiesem Jahre ging er nach Zürich zu Bodmer. Er bezauberte diesen mitseinem fügsamen, eingehenden Wesen so sehr, als dieser ihn mit jenemneu erworbenen Firniß, hinter dem Wieland den langgesuchten Weisenentdeckte) Beide wetteiferten nun in Dichtungen und in der Fertigkeit,mit Plagiaten ihre Werke zu füllen. In den Briefen von Verstorbe-nen (1753) ahmte Wieland die gefeierte Rowe nach; wir baden hier-in Seen von Strahlen und Aether, die Seele sieht hier Erde und Luftin Wasser nachgeahmt, menschliche Fische, schuppige Vögel, thierischePflanzen und was Alles die irdische Sprache nicht nennen kann, unddieser reinere Stoff der ätherischen Welt soll hier gleichsam in einer ge-hauchten und seufzenden Sprache der Verklärten dargestellt werden, zuder der weichliche Prunk des Hoffmannswaldau ein wenig aufgebotcnwird. An demselben Tische, wo Bodmer seine Epopöen schrieb, verfer-tigte Wieland den geprüften Abraham (1753), an dem Bodmer sogar

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