178 Wiedergeburt der Dichtung unter den Einflüssen der religiösen
Werk eines so jungen Menschen die Meier und Bodmer entzücken mußte;man nannte ihn gleich den deutschen Lukrez, und es war lustig genug,zu sehen, wie altklug der junge Meister sich mit metaphysischen Systemenhernmschlug und wie naseweis er zwischen Bayle und Leibnitz, und ge-gen Aristoteles als ein Stimmberechtigter anstrat. Es war daher keinWunder, daß er aus Kleist, der ihn in diesem Alter sah, den Eindruckmachte, als habe er stark vor, die ganze Welt zu reformiren. Ahmte erhier in diesem dogmatischen Gedichte die lehrhaften Systematiker nach,so in den moralischen Briefen (1752), die den «stutee8 «livorses desLanddrosten von Bar nachgeahmt waren, die moralischen Lehrdichter,deren Mittelpunkt Hagedorn war. Indem er nachher zu Klopstock über-geht, so sehen wir auch ihn gleich diesem den Hauptrichtungen der Zeitvöllig folgen, jedoch ist er weit von der Energie entfernt, mit der Klop-stock diese in einem selbständigen Wesen verschmolz. Wieland lehnt sichvielmehr überall an, und gestand es selbst, daß jede Lieblingölektüre da-mals und später ihn veranlaßt habe, etwas in der ähnlichen Art zu ver-suchen, und dies Talent bildete er bei Bodmer noch mehr aus, von demer die Geschicklichkeit zu stehlen erlernt zu haben bekannte^). In diesenersten Schriften ist nicht religiöse, sondern nur die edle Schwärmerei derJugend sichtbar, der Glaube an Tugend, der Haß gegen Laster, vor de-nen Wieland späterhin gleichmäßig warnte. Die Weisheit des Sokratesist hier, wie bei Hagedorn, das große Ziel, und er sieht den Weisen hiernoch mehr so, wie ihn Plato auölegte, während er ihn später mit Ari-stipp's Angen ansah. Im Keime liegt hier unter dem Heiligenscheine derIdealität schon seine spätere Glückseligkeils- und Mäßignngölehre ver-borgen. In der Natur der Dinge sagt er schon, daß das Glück derZweck der Schöpfungsei, und das, was uns beselige, daS mehre denRuhm der Gottheit. In den moralischen Briefen wendet er sich von denTimonen und Catonen und selbst von Zeno ganz wie später ab. Ja inBriefen an Bodmer, mit dem er durch seine ersten Arbeiten in Verbin-dung kam, verthcidigt er noch den freiem Ton der Dichtung, in dem ernoch Oden auf den ersten Kuß gemacht und seine Liebe besungen hatte,und wagt zu schreiben, daß jener Kuß in jener Elegie mehr werth sei,als hundert Gesänge mit ihrer ganzen langen Unsterblichkeit. Derglei-chen durfte man dem strengen Bodmer damals nicht schreiben. Er wiesihn zurecht, er krittelte beständig an seinem Leichtsinn und erregte Zwie-spalt in seinem Inneren. Bald bereute er seine Liebeötändeleien, wollte
8K) Vgl. Gruber's Leben Wieland'S I. i>. K7.